30 Seconds to Mars
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Autor: das kleine Licht
Disclaimer: Die Jungs gehören mir nicht (schön wär’s), ich kenne sie nicht, ich verdiene mit dieser Geschichte keinen Cent und sie ist reine Fiktion!!
FSK: 14 +

Epilog:

Sanna ist ein 18-jähriges Mädchen, dessen Eltern zu Ausgrabungen geflogen sind und deshalb für 2 Jahre nicht zu hause sein werden. Sie muss aufgrund dessen in ein Internat und da sie künstlerisch begabt ist, kommt sie nach Jyväskylä an die Kunsthochschule. Sie hat halblange, blonde Haare, welche mit bunten Strähnen versehen sind, zieht gerne zerschlissene Hosen, Tops und Blazer an. Musikalisch hört sie gerne britische Bands. Sie trainiert häufig, weil sie dadurch alles vergessen kann.

Mikko, 19, ist Sannas Bruder, der gerade sein Studium in Tampere begonnen und daher kaum Zeit für seine Schwester hat. Er bedauert es ein bisschen, findet aber, sie solle sich mit der Situation abfinden und das Beste daraus machen.

Tanja, 18, ist Sannas Zimmergenossin und Freundin. Ihre Eltern sind in der Medienbranche beschäftigt und haben deswegen Tanja ins Internat „abgeschoben“. Sie hat schwarze lange Haare, die mit pinken Strähnen durchzogen sind und hört gerne Gothic und Love-Metal.

Lauri, 19, hat ziemlich viele Flausen im Kopf und versucht mit seiner Band, die er im Internat gegründet hat, erfolgreich zu werden.

Pauli, 19, ist Lauris bester Kumpel, macht auch jeden Mist mit, allerdings denkt er nicht so an die große Karriere als Musiker, sondern eher als Produzent

Eero, 18, ist der Klassenstreber, kam über den Musikunterricht zur Band und wird dadurch von Lauri immer zu irgendwelchen Aktionen überredet.

Aki, 18, ist Tanjas Zwillingsbruder und Einzelgänger, also das genaue Gegenteil von ihr. Er ist ruhig und fällt eigentlich nur durch seine Rastas und die große Brille auf. Was ihn schulisch auszeichnet, sind seine sportlichen Aktivitäten.

Frau Hainolen ist die Internatsvorsteherin und so was wie die Ersatzmutter der Schüler.

Herr Pakkonen ist der Klassenlehrer und hat so seine liebe Mühe mit einigen Schülern.

Frau Malinen ist die Kunst- und Sportlehrerin, sie erkennt das außergewöhnliche Sporttalent von Sanna und sie ebenfalls musikalische Begabung Akis.

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1. Kapitel

Müde stehe ich auf und gehe in unser Bad. Hier sieht es wie immer chaotisch aus, überall liegen Haarklammern und –reifen rum, das Arsenal an Haarspray ist kaum zu toppen und aus dem Wäschecontainer quillt es auch schon.
„Moah…hier sieht’s aus wie sau!!“ grummele ich und räume erstmal die Haarspangen in das Fach. Dann stelle ich die Haarspraydosen wieder auf das Regal und stopfe die Wäsche in den Container. Dabei fallen wieder Geldscheine aus Tanjas Hosentaschen und ich stecke sie in die eigens dafür angelegte Spardose. Als dann das Bad wieder einem Bad gleicht, gehe ich erstmal auf die Toilette und dann unter die Dusche. Schnell putze ich mir noch die Zähne, binde meine Haare zu einem Zopf zusammen und schlüpfe in meine Sportsachen. Tanja schlief währenddessen seelenruhig weiter, sie kann ja noch gut eine Stunde schlafen. Als ich meine Sneakers anhabe, gehe ich leise aus dem Zimmer und mache mich auf den Weg zum Sportplatz. Unterwegs treffe ich keine Menschenseele, weil niemand so verrückt ist und freiwillig gegen sechs aufsteht.
Als ich aus dem Gebäude trete, spüre ich die Wärme, die durch die dicken Gemäuer des Gebäudes nicht hindurch dringen kann und lächele leicht. Dies ist das beste Wetter, um die 10 Km zu laufen. Ich schalte meinen MP3-Player an und laufe langsam los. Bis zum Sportplatz sind es schon 2 Km, doch diese schaffe ich locker und bin noch nichemal aus der Puste, als ich dort ankomme. Gemächlich drehe ich meine Runden und lausche der Musik, als ein Schatten neben mir auftaucht. Ich drehe meinen Kopf nicht zur Seite, denn ich weiß, wer es ist.
„Guten Morgen Aki!!“ sage ich leise und renne weiter.
„Morgen Sanna…tolles Wetter nicht??“
„Ja“ schweigend laufen wir nebeneinander her. Ich weiß nicht genau, wie es dazu kam, doch seit geraumer Zeit treffen wir uns auf dem Sportplatz, laufen zusammen und reden doch kaum miteinander. Es ist nicht so, dass ich ihn nicht mag, nur, er ist einfach zu ruhig.
Als wir die zehnte Runde beendet haben, setzen wir zum Rückweg an und als wir auf dem Schulhof ankommen, herrscht hier schon reges Treiben. Lehrer kommen, Schüler laufen zu ihren Unterrichtsräumen. Ich nicke Aki leicht zu und renne dann die Treppen zu unserem Zimmer hoch. Dort angekommen, sehe ich, dass Tanja schon angezogen ist und sich gerade „verschönert“.
„Guten Morgen Süße!!“ rufe ich und belege wieder das Bad.
„Morgen!! Wie war es?? War Aki wieder dabei??“
„Es war herrlich…und ja, er war auch dabei!!“ antworte ich ihr, bevor ich erneut unter die Dusche trete. Als ich fertig bin, hole ich mir frische Sachen aus meinen Schrank und bemerke dabei, wie Tanja grinst.
„Nein, zwischen uns ist nix und da wird auch nie etwas sein. Schlag dir das bitte aus deinem süßen Köpfchen!!“
„Aber wieso?? Ich habe doch überhaupt nix gedacht!!“ mit einem gekonnten Augenaufschlag sieht sie mich an und ich muss lachen.
„Und der Papst ist katholisch!!“ meine ich, als ich in mein gesteiftes Top schlüpfe und einen dazu passenden Rock anziehe.
„Und was ist, wenn der Wind dein Röckchen anhebt??“ kichert Tanja leise, doch ich zeige ihr, dass das nix ausmacht, weil ich vorsorglich eine Hotpants angezogen habe.
„Ok, haben die Jungs wieder nix zum Sehen!!“ gespielt enttäuscht wendet sie sich ihrem Spiegelbild zu und legt Lippenstift auf. Kopfschüttelnd gehe ich ins Bad und drehe einige Strähnchen leicht ein und stecke sie mit bunten Klammern ab. Etwas Lidschatten und Wimperntusche, mehr benötige ich für die Schule nicht. Danach laufen wir zusammen hinunter in den Essensraum, wo schon so ziemlich jeder Internatsbewohner anwesend ist. Doch wer glaubt, dass sich die Kinder reicher Eltern zu benehmen wissen, sieht sich hier bei weitem enttäuscht. Es geht zu wie auf dem Jahrmarkt, eine Gedränge und Geschupse, manche Ausdrücke getraut man sich ja mal gar nicht zu wiederholen und ein Geräuschpegel, der einem Eishockeystadion alle Ehre machen würde.
Tanja verdreht schon wieder die Augen, während ich uns einen freien Platz suche. Als ich einen entdeckt habe, deute ich hin und sie nickt. Heute bin ich dran uns das Essen zu holen, so dass sie sich schon mal zu dem freien Tisch begibt. Ich nehme mir ein Tablett, 2 Teller, Tassen sowie Besteck und suche uns am Buffet das Frühstück zusammen. Unachtsam wie ich manches mal bin, stoße ich dabei mit jemand zusammen und als ich aufblicke, erkenne ich Eero.
„Entschuldigung!!“ murmele ich, doch der ist schon wieder in Gedanken 3000 Lichtjahre entfernt, so dass er es noch nicht einmal mitbekommt.
Lächelnd lege ich noch 4 Brötchen auf das Tablett und gehe dann zu Tanja, die genervt die ganzen Kinder beobachtet.
„He, pass doch auf!!“ schimpft sie, als einer der jüngeren Schüler über ihren Rock stolpert. Dieser zuckt erschrocken zusammen und verflüchtigt sich.
„Das war aber böse jetzt!! Schließlich ist man es ja nicht gewohnt, dass hier jemand einen Rock anzieht, der wer weiß wie lang ist, wenn man sitzt!!“ sage ich und stelle alles auf.
„Ach, das war doch nicht böse. Nur, wenn die sich nicht benehmen können, muss man doch auch mal zur Sau werden!! Schau dir doch mal unseren Klassenclown an!!“ verärgert deutet sie auf Lauri, der mal wieder, umringt von irgendwelchen kleinen Mädchen, sein Bestes gab, negativ aufzufallen.

2. Kapitel

„He Lauri, da sind wieder die Mädels von Zimmer 23!!“ raunt Pauli seinem Kumpel zu, dieser wendet sich kurz von seinen Fans ab und betrachtet Tanja und Sanna, wie diese sich setzen und reden. Ihm ist es nicht begreiflich, warum sie so gut befreundet sind, schließlich haben sie nix weiter gemeinsam. Die eine sieht aus wie eine dünne Bohnenstange, während die andere immer aussieht, wie frisch dem Farbtopf entsprungen. Er dreht sich zurück und gibt wieder einer seiner Geschichten zum Besten. Doch irgendwie macht ihm das jetzt keinen Spaß mehr, so dass er schnell auf isst und sich dann nach draußen unter einen der Bäume verzieht.
Lange sitzt er nicht alleine da, weil Eero kommt und sich zu ihm gesellt.
„Hast du deine Matheaufgaben gemacht?? Du weißt doch, er will sie heute einsammeln!!“ fragt er Lauri und dieser zuckt erschrocken zusammen.
„Oh verdammt…das hab ich vergessen!! Schnell, gib mir mal deinen Hefter, damit ich abschreiben kann!!“ er sieht Eero an, welcher mit sich einen inneren Kampf ausficht und ihn doch wieder verliert. Schnell holt er den Hefter raus und gibt ihn Lauri.
Während Lauri die Hausaufgaben abschreibt, kommt Pauli zu ihnen und isst noch ein Brötchen, welches er sich vom Buffet geklaut hat.
„Irgendwann platzt du mal noch!!“ murmelt Lauri und beugt sich wieder über die Aufgaben.
„Ach…mir geht’s doch gut!! Die paar Gramm zuviel sieht man doch nicht!!“ lacht er und streicht sich über sein kleines Bäuchlein, das unverkennbar unter dem Shirt hervorlugt.
„Vielleicht solltest du mal mit der Brillenschlange zusammen laufen, dann wirste wieder so rank und schlank wie ein Reh!!“ schlägt Lauri vor und erntet dafür einen vorwurfsvollen Blick von Eero.
Als es klingelt, erheben sich die Jungs und schlendern gemütlich ins Klassenzimmer. Dort setzten sie sich hin und Eero legt sogleich seine Schulsachen bereit, was Pauli und Lauri mit einem Händeklatschen bemerken.
„Das hast du aber fein gemacht!! Sind auch deine Stifte alle ordentlich gespitzt??“ fragt Lauri ihn, woraufhin er einen roten Kopf bekam.
Doch ehe er was antworten kann, tritt auch schon Herr Pakkonen ins Zimmer und sieht mit einem finsteren Blick in die Runde.
„Morgen, Hausaufgaben raus!!“ bellt er und alles kramt hektisch in seinen Taschen.
„So, dann wollen wir doch mal sehen, wer alles anwesend ist und seine Hausaufgaben nicht hat!!“ kommt es vom Lehrer und als er die Namensliste durchgeht, bemerkt er leicht enttäuscht, dass weder einer fehlt, noch wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.
„So, dann kommt doch mal bitte der Herr Ylönen vor und rechnet uns die Aufgaben an der Tafel vor!!“
Ich bemerke mit einem Seitenblick zu Lauri, wie dieser erst entsetzt, dann aber ganz cool zu Herrn Pakkonen schaut und langsam zur Tafel geht. Einige Mädels schauen ihm schmachtend hinterher, denn auch wenn er nur Mist baut, ist er der Schwarm vieler Mädchen, was ich mal so gar nicht verstehen mag. Immerhin ist er einer der Kleinsten und mit seinen blond gefärbten und nach hinten gegelten Haaren sieht er aus wie ein Igel auf zwei Beinen. Bei der Vorstellung muss ich mich zusammenreißen um nicht laut loszulachen. Tanja, die neben mir sitzt, schaut mich besorgt an, doch als ich auf Lauri zeigt, weiß sie sofort was los ist und nickt nur noch.
Dieser steht an der Tafel und schreibt fleißig das von Eero Abgeschriebene an die Tafel und bekommt dafür dann eine 4. Eero, der es unfair findet, schüttelt nur mit dem Kopf und Lauri geht mit stolzgeschwellter Brust an seinen Platz zurück. Mit Pauli fängt er dann leise an mit reden, was in Gelächter ausartet, woraufhin Lauri zum wiederholten Male aus dem Unterricht fliegt. Danach ist es für die nächsten 30 Minuten ruhig, da sich keiner wagt, auch nur etwas zu laut zu atmen.
In der Pause wechseln die Schüler in das Atelier, denn jetzt stehen 2 Stunden Kunst an, eines der Lieblingsfächer von mir. Unterwegs unterhalte ich mich mit Tanja über den Nachmittag und als uns ein Schüler aus der Oberstufe entgegenkommt, kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Dieser jedoch beachtet mich gar nicht, was ich traurig bemerke und daraufhin schweigend neben Tanja ins Zimmer gehe.
Dort ist Lauri dabei, sämtliche Farben und Pinsel der Schüler auszutauschen, was ihm einen Heidenspaß zu machen scheint, denn er strahlt übers ganze Gesicht. Als wir das registrieren, legen wir erstmal unsere Utensilien zur Seite und stellen uns dann vor Lauri.
„Sag mal du kleiner explodierter Kartoffelkäfer!! Kannst du auch mal mit dem Scheiß aufhören??“ blafft ihn Tanja an, was Lauri mit einem Schulterzucken beantwortet und sich dann auf seinen Platz verzieht. All diejenigen, deren Zeug unter Lauris Attacke zu leiden hatte, sind darum bemüht, alles vor Unterrichtsbeginn wieder zusammen zu haben, was der Übeltäter mit einem Grinsen beobachtet.
Kurz darauf setze ich mich, immer noch an den Jungen denkend, auf den Stuhl und bemerke erst zu spät, dass sich darauf Farbe befand.
„Moah Lauri, hör endlich auf mit dem Kindergarten!!“ meine ich nun sauer und betrachte meinen Rock, der nun hinüber ist.
„Ich hätte dann gerne das Geld für diesen Rock, denn die Ölfarbe bekomme ich nicht mehr raus!!“ wütend blicke ich ihn an und Lauri bemerkte, dass er zu weit gegangen ist, denn jetzt schauen ihn alle wütend an. Schnell zieht er einen Hundert-Euro-Schein aus der Tasche und reichte ihn mir, doch soviel will ich nicht annehmen, da der Rock nicht soviel gekostet hat.
„Jetzt nimm schon, ich kann’s mir leisten!!“
Großkotzig wie er ist, legt er das Geld auf die Staffelei und geht zu seinem Platz zurück. Ich nehme den Schein und packe ihn seufzend ein, als mein Blick auf Aki fällt, der mich wohl die ganze Zeit beobachtet hat. Kurz zwinkert er mir zu, bevor er sich hinter seiner Staffelei versteckt und so tut, als würde er zeichnen.
Tanja, die das ganze ebenfalls gesehen hat, macht ein Zeichen zu mir, dass ich mich beruhigen soll, da es der Zwerg nicht wert ist. Nickend stelle ich mich ebenfalls hinter die Staffelei und überprüfe nochmals meine Pinsel.
Mit einem lauten Gepolter kommt Frau Malinen in das Zimmer und begrüßt uns freundlich.
„So meine Lieben, heute wollen wir mal an die frische Luft gehen und die Landschaft zeichnen. Also, nehmt euch eure Blöcke und Kohlestifte mit!!“ ihre gute Laune überträgt sich wie schon so oft auch auf uns und so gehe ich dann schon wieder lächelnd den anderen hinterher.

3. Kapitel

Auf dem Internatsgelände gibt es einen kleinen See und dort setzen wir uns alle ans Ufer um kurz den Anweisungen von Frau Malinen zu lauschen.
„Also, jeder sucht sich eine passende Umgebung aus, die er dann für uns zu Papier bringt, aber bitte, benehmt euch…“ mit einen Seitenblick auf Lauri „…und es wird nicht geraucht!!“
Danach verzog sich jeder an einen anderen Platz, Tanja geht dorthin, wo es schattig war, während ich das Ufer vorziehe, wo das Schilf wächst.
Mit einem kurzen Blick stelle ich fest, dass sich keiner weiter hier befindet.
Seufzend lasse ich mich ins Gras fallen und schaue auf die gegenüberliegende Bucht aber ich nahm nicht wirklich etwas wahr. Immer wieder kreisen meine Gedanken zu Pekka. Seit ich ihn einmal beim Training gesehen habe, empfinde ich etwas für ihn und seit er ebenfalls für die Internatsmeisterschaften trainiert, fühle ich mich noch mehr zu ihm hingezogen. Er sieht gut aus und ist für viele Mädchen der Oberstufe der Mann der Träume. Aber irgendwie scheint er es nicht zu bemerken. Immer ist er mit seinen Kumpels vom Team zusammen und wenn er lacht, krabbelt es immer in meinem Bauch.
Allerdings getraue ich mich auch nicht, mit Tanja darüber zu reden, denn sie findet ihn zu glatt und aus Angst, sie könnte mich auslachen, schweige ich lieber.
Ich schüttele kurz mit meinen Kopf, ich muss mich auf mein Bild konzentrieren und dafür ist Pekka ganz bestimmt nicht geeignet. Sachte lege ich den Block auf meine Knie, nehme ein Stück Kohle und beginne langsam das mir gegenüberliegende Ufer auf mein Papier zu malen. Ich bin so vertieft in meine Arbeit, das ich erschrocken herumfahre, als sich eine Hand auf meine Schulter legt.
„Hei, ich bin’s nur!!“ lächelt mich Tanja an und lässt sich neben mich fallen. „Ich will nur heimlich eine rauchen!!“
„Oh…“ ist alles was ich aus mir raus bringe, denn normalerweise raucht Tanja so gut wie nie in meiner Gegenwart.
„Zeig mal deine Skizze. Ich habe dieses Schilf gezeichnet und finde, dass es mir gut gelungen ist.“ Strahlt sie und reicht mir ihre Mappe. Ich nehme sie und schaue auf ihre Zeichnungen und blicke wenig später verdutzt auf. In dem Schilf sind zwei Schatten angedeutet und ich als ich sie frage, was das ist, zeigt sie auf eine kleine Stelle im Schilf, wo ein Schwanenpärchen sitzt.
„Das habe ich gar nicht gesehen!!“ flüstere ich und gebe ihr ihren Block zurück.
„Ja, wo warst du denn wieder mit deinen Gedanken??“ kichert sie leise und ich zucke nur mit den Schultern.
„Na, nun zeig endlich mal, was du dir als Motiv ausgewählt hast!!“
Schweigend reihe ihr den Block und schaue wieder zu dem Schwanenpärchen. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich Schwäne, bzw. Vögel im Allgemeinen nur einmal im Leben verlieben und sich dann bis zum Tode treu sind. Ich finde diese Vorstellung so romantisch, dass ich mir einen leisen Seufzer nicht verkneifen kann.
„Schön…das hast du echt super hinbekommen!!“ meint sie und schaut mich dann fragend an. Kurz erkläre ich ihr meinen Gedanken und sie lacht leise, denn sie kann meinen Hang zur Romantik nicht ganz nachvollziehen.
„Du wartest auch auf den Prinzen auf dem weißen Pferd, der dich eines Tages kommt, oder??“ fragt sie dann mit einem spöttischen Unterton und ich schüttele den Kopf.
„Nein, aber ist es denn nicht schön, sich so richtig zu verlieben und dann für immer mit der Person zusammen zu sein??“ frage ich leise und ernte dafür wieder ein Lachen.
„Stell dir mal vor, dieser Typ wäre Lauri!! Ich halte ihn schon kaum 5 Minuten aus, was wäre dann, wenn ich ein ganzes Leben mit ihm zusammen sein müsste??“
„Ok, da hast du auch wieder recht!“ lache ich nun ebenfalls bei der Vorstellung.
„Siehste, also vergiss es lieber gleich!! So was gibt es nur im Märchen oder irgendwelchen Liebesromanen!!“
„Hmm, hast Recht!! Weißt du, worauf ich jetzt Lust habe??“ mit einem frechen Grinsen drehe ich mich zu ihr und schon bekomme ich eine lautes „Nein“ zu hören.
„Doch, ich werde jetzt baden gehen!!“ gesagt getan. Schnell habe ich den Rock und mein Shirt ausgezogen und gehe langsam zum Wasser, als Tanja mich ruft.
„Ja??“
„Weißt du wie kalt das Wasser noch ist?? Und du hast kein Handtuch mit!!“
„Egal, die Sonne scheint doch und hier ist eh keiner weit und breit außer uns beiden!!“ kichere ich und stupse meinen Fußzeh ins Wasser. Ok, es ist wirklich nicht sehr warm, aber das stört mich nicht. Langsam gehe ich ins Wasser und genieße die Kühle. Als der Boden plötzlich abfällt, gehe ich kurz auf Tauchgang um dann prustend aufzutauchen. Tanja lacht sich währenddessen halb tot, möchte nicht wissen, wie das vom Ufer her ausgesehen haben muss. Gemächlich schwimme ich etwas weiter raus, als ich etwas weiter neben mir ein Klatschen höre. Gleich darauf vernehme ich das Gegröle von Lauri und Pauli, die sich eine Wasserschlacht liefern. Schnell schwimme ich ans Ufer zurück, denn den Beiden muss ich nicht unbedingt in meinem Aufzug begegnen.
Klatschnass und etwas zitternd lege ich mich neben Tanja und wartete auf ihren Kommentar, doch sie schwieg. Stattdessen deutet sie auf Aki, der sich auf eine der Bänke gesetzt hatte und die Jungs beobachtet.
„Ich verstehe nicht, wie man so ruhig sein kann!! Ich meine, jeder hat irgendwelche Macken, nur er nicht!! Und das ist mein Zwillingsbruder!!“ wie immer wenn es um Aki geht, verdreht sie theatralisch die Augen und ich muss lachen.
„Nicht jeder ist eben so aufgeweckt wie du!!“ versuche ich ihn in Schutz zu nehmen, doch Tanja will davon nix hören.
„Wir sind 18 Jahre alt und ich kann mich nicht daran erinnern, dass er schon jemals irgendwas Verbotenes gemacht hat!!“
„Naja, muss man ja auch nicht, oder?? Ich habe auch noch nix Schlimmes angestellt und komm, du weißt doch nicht, was er in Espoo gemacht hat, wenn er mit seinen Freunden unterwegs war!!“
„Soweit ich weiß, hatte er da keine Freunde, oder zumindest nicht viele!!“ Und wieder erzählte sie mir, dass er größtenteils auf dem Sportplatz war, mit seinem BMX durch die Gegend gefahren ist, oder vor dem PC saß.
„…echt, der konnte stundenlang im Internet recherchieren und auch so…ach, der ist einfach nur komisch!!“
„Hmm…finde ich nicht, aber egal!“ Ich versuchte von Aki abzulenken und dies gelingt mir immer, wenn ich die Sprache auf HIM bringe.
„Und, kommen deine Jungs bald mal wieder in den Norden Finnlands??“
„Nee, leider nicht. Sie sind zwar grad im Studio, aber das kann dauern!!“ meint sie traurig, doch das ist nicht von langer Dauer.
Als ein kurzer Pfiff ertönt, zucken wir erschrocken zusammen, denn wir hassen es, wenn uns Frau Malinen so wieder alle an einen Ort bringen will, schließlich sind wir keine Hunde.
Schnell ziehe ich meine Sachen wieder an, richte meine Frisur leicht, doch da meine Haare noch nass sind, ist diese Aktion nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Langsam laufen wir dann Richtung Gruppe und unterwegs schließt sich uns Aki an.
„Hei…“ murmelt er.
„Hei Aki!!“ grüße ich ihn freundlich, während Tanja ihn nur einen fragenden Blick zuwirft.
Bei Frau Malinen angekommen, hören wir, wie sie wieder mal mit Lauri und Pauli schimpft, die heimlich geraucht haben.
„Jungs, wie oft soll ich euch das noch sagen?? Während der Unterrichtszeit gilt absolutes Zigarettenverbot!! Ich sehe euch dann heute Nachmittag im Atelier meine Herren!!“
Danach geht es zurück zum Internat und alles stöhnt, weil jetzt noch zwei Stunden Schwedisch anstehen.

4. Kapitel

„Und, gehen wir heute in die Stadt??“ Tanja, die vor ihrem Kleiderschrank steht und sich was Passendes aussucht, dreht sich zu mir um.
„Hmm, ja, ich brauche neue Schuhe und einen neuen Rock, weil ihn ja ein gewisser Idiot ruiniert hat!!“ schnell lege ich meine Schulsachen auf den Schreibtisch und ziehe mir eine Jeans an, damit wir zusammen in die Stadt fahren können.
Wir wollen gerade mit ihrem Cabriolet aus der Einfahrt düsen, als wir einen Ruf vernehmen. Tanja bremst ab und ein etwas atemloser Aki bleibt neben uns stehen.
„Kann ich mit?? Brauche noch ein paar Sachen!“ fragt er seine Schwester, die wenig begeistert aussieht, aber trotzdem nickt.
„Danke, ich hätte sonst eine Stunde auf den Bus warten müssen!!“ mit einem Sprung sitzt er auf der Rücksitzbank und es kann losgehen. Der Wind fährt durch unsere Haare und ich bin froh, dass ich sie offen gelassen habe.

„Ist es eigentlich nicht ein bisschen zu warm mit den Rastas??“ frage ich dann interessiert Aki, als wir in der Innenstadt einen Kaffee trinken.
„Nö, geht so!!“ murmelt er und schaut verlegen auf den Boden.
„Sach mal Aki, hast du eigentlich schon mal was von den Eltern gehört??“ fragt Tanja ihren Bruder, doch der schüttelt nur traurig den Kopf.
„Nein, wenn du schon nix weißt, woher soll ich dann etwas wissen??“
„Naja, hätte ja sein können!! Lasst uns mal ins H&M gehen!!“ sie schnappt sich ihre Tasche, bezahlt den Kaffee und geht aus dem Café. Wir tun es ihr gleich, nur das Aki sich vor dem Café verabschiedet und in eine andere Richtung läuft.
„Was war das denn vorhin??“ frage ich sie neugierig, denn immer wenn es um ihre Familie geht, hatte sie bisher abgeblockt.
„Hö?? Was denn??“
„Na das was Aki vorhin gesagt hat!!“
„Ach das…weiß nicht, wie er auf diese Idee kommt. Hei schau mal, dort sind diese Oberteile, die du immer suchst!!“ geschickt lenkte sie meine Aufmerksamkeit auf in allen möglichen Farben gestreifte Tops und ich gebe klein bei. Jede von uns hat so ihre kleinen Geheimnisse und gerade das macht es auch interessant.
Als ich wenig später mit einem der Oberteile am Körper aus der Umkleidekabine trete, trifft mich fast der Schlag. Pekka steht nicht sehr weit entfernt von mir mit Jonna, einer aus meinem Volleyballteam und meine ärgste Konkurrentin. Beide stehen sich gegenüber und die Blicke, die sie sich zuwerfen, sind eindeutig. Meine Enttäuschung verbergend, drehe ich mich zu Tanja um, die ebenfalls in neuen Klamotten und zusammen betrachten wir uns im Spiegel.
Als wir beide uns für perfekt befinden, gehen wir zurück in die Umkleide, ziehen unsere alten Sachen an und bezahlen an der Kasse.
„Und, was machen wir nun??“ fragt sie mich und hängt sich bei mir ein.
„Wie wäre es mit einem richtigen großen Eis??“ lächelnd schaue ich sie an und sie nickt begeistert.


„Herr Ylönen!! Wie oft müssen wir es ihnen noch sagen?? Sie sind nicht aus Spaß an dieser Schule, ihre Eltern zahlen viel Geld dafür, dass sie etwas Bildung erlangen!! Sie können sich doch nicht ständig den Regeln den Hauses widersetzen!!“ Frau Malinen blickt über ihren Brillenrand hinweg auf Lauri, der ziemlich verunsichert in dem Sessel vor ihrem Schreibtisch sitzt. Auch Pauli fühlt sich unwohl, denn solche Reden folgen meistens irgendwelche Aufgaben, die für jeden peinlich sind. Er erinnert sich noch heute daran, wie sie damals beim Rauchen auf der Toilette erwischt wurden und danach für den Rest des Monats die Toiletten putzen durften. Nie wieder will er so was durchmachen müssen.
„Es tut mir Leid!!“ flüstert da gerade Lauri, doch schon an der Haltung erkennt jeder, dass das gelogen war. Frau Malinen seufzt leise, ehe sie zwei Zettel aus der Schublade ihres Tisches holt.
„Herr Ylönen und Herr Rantasalmi…es tut mir Leid, aber ein Regelverstoß ist ein Regelverstoß!! Hiermit verdonnere ich sie dazu, die nächsten 14 Tage den Schulhof sauber zu halten. D.h. Zigarettenstummel aufheben, Flaschen in die Container etc. pp!!“
Als Pauli das vernimmt, verflucht er sich wieder im Geheimen, dass er nicht gegen Lauris einnehmenden Charakter ankann und er verflucht auch ihn. Lauri hingegen nimmt den Zettel und stolziert wieder aus dem Raum, ohne irgendwem auch nur anmerken zulassen, wie es in ihm aussieht.


5. Kapitel

Abends, als die Geschäfte gerade schließen, räumen Tanja, Aki und ich unsere Sachen in Tanjas Auto und stellen mal wieder fest, dass der Kofferraum zu klein ist.
„Man, eigentlich wollten wir nur zwei, drei Sachen kaufen, aber nun…des sieht aus, als hätten wir den halben Laden aufgekauft!!“ kichert Tanja, während Aki sich kopfschüttelnd auf die Rücksitzbank verzieht.
„Du kannst dich auch vorne hinsetzen, da kannst du deine Beine etwas ausstrecken!!“ meine ich dann zu Aki, doch der lehnt dankend ab. Also lasse ich mich vorne neben Tanja nieder und denke nicht weiter darüber nach.
„Sag mal, sind das nicht Pekka und Jonna??“ fragt auf einmal Tanja und zeigt auf die Seite, wo ein kleines Restaurant ist. Tatsächlich, dort stehen sie Hand in Hand und ich spüre wieder dieses Ziehen in meinem Bauch.
„Ja sind sie…“ bringe ich mühsam heraus und versuche mich auf die Straße zu konzentrieren.
„Aber, war Jonna nicht erst mit Juha zusammen?? Dem aus dem Matheleistungskurs??“
„Keine Ahnung, wir reden nicht miteinander. Was machen wir heute noch schönes?? Haben wir Hausaufgaben auf??“ das, was Tanja kann, kann ich schon lange.
„Nee, zum Glück nicht, reicht schon, dass wir morgen in Finnisch die Abschlussarbeit schreiben!!“
„Verdammt!!“ kommt es plötzlich von der Rücksitzbank. „Ich habe keinen blassen Schimmer!!“
Ich drehe mich zu Aki um und er schaut mich entsetzt an.
„Frag doch mal Eero, der hilft dir bestimmt!!“ meine ich, doch er schüttelt den Kopf.
„Nein, da ist nur Lauri wieder irgendwo in der Nähe und seine dummen Kommentare muss ich mir nicht antun!!“
„Dann kann dir ja Sanna helfen!!“ flötet da auf einmal Tanja und beide schauen wir sie entgeistert an.
„Na, du bist doch die Beste nach Eero, eigentlich nehmt ihr euch beide nicht viel!!“ grinsend fährt sie das Auto auf den Parkplatz und steigt aus.
„Also??“ sie holt die Beutel aus dem Kofferraum und ich nicke nur noch.
„Oh danke, ich bin dann nach dem Essen bei euch!!“ gemächlich geht Aki zum Haupteingang, als Tanja ihm hinterher geht. Kurz bereden beide etwas, wobei Aki energisch den Kopf schüttelt und irgendwas sagt und dann weitergeht. Als sie zurückkommt, sehe ich sie an, doch sie winkt ab.
„Frage nicht!! Lass uns hochgehen und unsere neuen Sachen einräumen!!“
Schweigend laufe ich ihr hinterher, dass alles ist zuviel für mich. Erst Pekka der wohl mit Jonna zusammen ist, dann das ich Aki Nachhilfe geben soll und nun der Streit der Beiden. Im Zimmer angekommen, schmeiße ich mich erstmal auf mein Bett und starre an die Decke, wo ich ein Depeche Mode – Poster aufgehängt habe. Tanja räumt währenddessen ihre neuen Errungenschaften in die Wäschebox und summt leise ein Lied vor sich her.
„Sei mal bitte ehrlich, willst du uns verkuppeln??“ frage ich sie dann, als sie sich neben mich setzt und mich anschaut.
„Nein, ich will nur, dass er… naja, du bist doch die Beste, deswegen dachte ich…ich mein, du musst nicht, wenn du nicht willst!!“
„Das ist es nicht!! Aber, warum hilfst du ihm nicht?? Du bist genauso gut wie ich!!“ ich setze mich auf und spiele mit einer ihrer langen pinken Strähne.
„Weil du einfach mehr Geduld besitzt. Das war schon immer so, ich konnte ihm nie richtig helfen!“ seufzt sie und knuddelt mich kurz.
„Ok, ich versuche mein Bestes!“ damit sprang ich auf, schmiss ebenfalls meine neuen Sachen zur Wäsche und packte dann die Finnischsachen zusammen. Ich werde mit Aki lieber an einen Ort gehen, wo es nicht so „intim“ werden kann. Als ich daran denke, muss ich anfangen mit lachen, denn der Letzte, den ich küssen würde, wäre Aki.
„Was ist denn nun schon wieder??“ fragt mich Tanja, während sie mir die Türe aufhält.
„Ich habe nur gerade daran gedacht, wie es wäre, deinen Bruder zu küssen.“
„Aha, und das ist so lustig??“ der leichte Unterton wirkt abkühlend auf mich und ich entschuldige mich leise. Auf dem Gang ist reges Treiben, viele Mädels stehen in Grüppchen zusammen und unterhalten sich angeregt. Hier und da grüßen uns einige, doch mir fällt mal wieder auf, dass wir die meiste Zeit zusammen was unternehmen. An der Treppe angekommen, treffen wir auf Jonna, die mit ihrem Trupp, auch bekannt als der harte Kern des Volleyballteams, nach oben kommt.
„Ach, Sanna, vergiss bitte nicht, dass wir heute nach dem Essen noch ein Training haben, weil doch am Samstag das Spiel gegen Oulu ist, also iss nicht zuviel!!“ wie eine Königin rauscht sie an uns vorbei und ich höre Tanja nur noch schnauben.
„So eine dumme Pute!! Was bildet die sich eigentlich ein, wer sie ist?? Königin von England??“
„Nein; aber sie ist Schülersprecherin, Liebling der Lehrer, Papas Liebling…eben Everybodys Darling!!“ kann ich mir nicht verkneifen und gehe weiter.
„Und was ist mit Aki?? Der verlässt sich doch auf dich!“ Tanja hält mich am Arm fest und ich schaue sie bestürzt an.
„Verdammt!! Wie spät ist es??“
„Gleich sechs. Und wann ist euer Training??“
„Acht Uhr. Ok, schickst du mit bitte Aki zu den Linden?? Ich warte dort!“ rufe ich ihr über die Schulter und renne noch mal zurück um meine Sportsachen zu holen. Dann laufe ich zu den Linden und lege den Hefter und das Buch schon mal bereit.
Kurze Zeit später sehe ich Aki mit einem Tablett bewaffnet auf mich zukommen und ziehe erstaunt die Augenbraue hoch.
„Tanja hat gesagt, dass ich dir was zum Essen mitbringen soll!!“ grinst er mich an und stellt das Tablett, was bald unter seiner Last zusammenbricht, neben meine Schulsachen.
“Aber soviel hat sie mir nicht auf den Teller getan!!“ meine ich lachend und nehme mir den Salat weg.
„He, ich habe schließlich auch Hunger!!“ meint er und nimmt sich eines der belegten Brötchen.
„Also, wo hast du jetzt Probleme??“
Nicht lange und wir beide sind in unsere Arbeit vertieft, so dass wir gar nicht merken, wie die Zeit verging. Als mein Handy anfängt mit piepen, zucke ich erschrocken zusammen und brauche einen Moment, um mich zu fassen. Doch mit einem Blick auf mein Handy packt mich die Hektik.
„Sorry Aki, ich muss los, ich habe noch Training. Wenn was ist, komm bitte gegen 10 noch mal zu mir!!“ schnell stopfe ich die Sachen in die Tasche und renne, Aki noch mal zuwinkend, zur Sporthalle.
Dort stehen schon die meisten Mädchen bereit und ich muss mich beeilen, denn es gibt nix schlimmeres, als zu spät zu kommen.

6. Kapitel

„Super Lauri!! Ich kann mir in meiner Freizeit auch nix Besseres vorstellen, als den Schulhof sauber machen!!“ brummelt Pauli, als er zum x-ten Male einen Zigarettenstummel in die Mülltüte warf.
„Na he, ich habe dich nicht gezwungen, zu rauchen!!“ faucht dieser zurück, denn ihn kotzt es auch an.
„Calm down Kleiner!! Dieses mal sind es ja nur 2 Wochen und zum Glück ist bald Wochenende, da können wir wieder jammen!!“ versucht Pauli ihn zu beruhigen, doch Lauri ist schon wieder in Gedanken wo anders. Schweigend heben sie weiter Zigaretten und Papier auf und lassen sich die dummen Sprüche der anderen Schüler gefallen.
Als sie mit ihrer Aufgabe fertig sind, bringen sie die Sachen zum Hausmeister zurück, der wie ein Schießhund an der Treppe stand und sie beobachtet hat.
„Na, ich hoffe, dass euch das eine Lehre war. Seid morgen bitte pünktlich!!“ knurrt er und verschwindet in seinen Raum.
„Aber immer doch!!“ meint Lauri frech und verzieht sich ganz schnell.
„Hast du eigentlich schon was wegen einem Sänger raus gefunden??“ fragt Pauli ihn, als sie ins Zimmer gehen.
„Nein, irgendwie ist keiner dafür geeignet.“
„Und wenn du singst?? Du kannst es doch noch am Besten von uns!!“
„Ich?? Never!! Ich bleib schön hinter den Drums, da bin ich nicht so im Rampenlicht!!“ empört sich Lauri und zeigt seinem Kumpel einen Vogel. Als sie das Zimmer erreichen, schmeißen sich beide vor den Fernseher und beginnen eine Runde zu zocken.
Später, als es langsam anfängt mit Dunkelwerden, beschließen beide zum Essen zu gehen, bevor nix mehr da ist. Pauli, der sonst eher langsam ist, kann auf einmal die Treppen hinab flitzen und überrennt beinah ein paar junge Mädchen, die alle mit großen Augen zu Lauri aufschauen. Dieser lächelt kurz und geht dann weiter, ein mehrstimmiges Seufzen ist zu hören, was ihn wieder aufbaut. Als sie im Essensraum Eero entdecken, winken sie ihm zu, dass er den Platz freihalten soll und stellen sich an. Nachdem ihre Teller beladen mit Brötchen, Wurst, Käse, Salat, Joghurt etc. sind, bahnen sie sich einen Weg zum Tisch.
„Na, wie schauts aus?? Heute noch ne Runde jammen??“ mit einem leichten Schlag auf die Schulter lässt Lauri sich neben Eero nieder.
“Nee, wir schreiben doch morgen die Arbeit in Finnisch!!“ schüttelt Eero den Kopf und Lauri schaut entsetzt zu Pauli, der sich gerade sein Brötchen schmiert.
„Ich steh glatt 6, da kann mir nix passieren!!“ meint dieser dann grinsend und beißt in sein Brötchen.
„Dir vielleicht nicht, aber mir!! Scheiße, ich steh 7,45 und wenn ich diese Arbeit verhau, war’s das. Mein Alter streicht mir das Geld und ich kann sehen, wie ich zurechtkomme!!“
„Ach, wegen einer acht doch nicht!!“ versucht Eero ihn zu beruhigen.
„Einer?? Das wäre dann die dritte und ich bleib hängen!!“ plötzlich hatte er komplett den Appetit verloren und schiebt sein Tablett von sich fort. Pauli lächelt leicht und stibitzt sich einiges vom Teller.
„Pass auf, wir setzten uns dann noch mal hin und sehen, was noch zu retten ist!!“ schlägt ihm Eero vor und er nickt dankend. Während er so vor sich hin sinniert, fällt sein Blick auf Aki, der neben seiner Schwester steht und irgendwas diskutiert.
„Sagt mal, was ist eigentlich mit der Brillenschlange los?? Irgendwie, ich weiß nicht…mit wem hängt er eigentlich so rum??“
„Es wäre schön, wenn du ihn beim Namen nennen würdest!!“ rügt ihn Eero und schaut dann ebenfalls zu Aki, der gerade etwas Joghurt auf sein Tablett stellt.
„Ok, was ist mit Aki?? Was macht der so in seiner Freizeit?? Ich hab den noch nie irgendwo gesehen!!“ nachdenklich knabbert er an einem Brötchen, dass er vor Paulis Kauwerkzeug in Sicherheit bringen konnte.
„Ja, ich weiß, dass er früh und abends läuft, aber sonst…gute Frage. Er hat ja auch keinen Mitbewohner den man mal fragen könnte.“ wirft Eero ein und widmet sich seinem Salat.
„Stimmt, er hat eines der Einzelzimmer, die so sauteuer sind. Ist auch komisch, seine Schwester ist mit der Bohnenstange zusammen und er ist alleine. Kann man denn da niemanden fragen??“
„Geht doch mal zur Hainolen, vielleicht kann sie dir helfen!!“
„Ja, gute Idee.“ seine Augen verfolgten Aki, wie er mit dem Tablett aus dem Speisesaal geht. Leicht schüttelt er den Kopf und dreht sich dann zurück zu Eero.

7. Kapitel

„Das war gut Mädels!! Und nun ab mit euch, sonst muss ich mir wieder das Geschimpfe der anderen Lehrer anhören!!“ Frau Malinen klatscht in die Hände und lässt sich den Ball geben. Nach einem anstrengenden Training schreit mein Körper förmlich nach einer heißen Dusche und einem warmen Bett. Als ich in die Umkleidekabine komme, höre ich schon das Rauschen der Duschen. Wie immer haben sich die Prinzessinnen, wie ich Jonna und ihre Freundinnen nenne, beeilt um ja als Erstes fertig zu sein. Na gut, wer sich noch soviel Schminke ins Gesicht hauen muss, damit er sich unter die Menschen getrauen kann, kann schon mal in Panik geraden, wenn er später duschen muss. Leicht grinsend hole ich meine Badelatschen und mein Handtuch aus dem Rucksack und nehme mein Duschgel aus dem Spinnt. Zusammen mit Majia, einer der wenigen Mädels mit denen ich so noch Kontakt habe, gehe ich in den Duschraum. Heiß umwabert uns der Wasserdampf und alle möglichen Gerüche von Duschgels und Shampoos schlägt uns entgegen. Eingewickelt in dicke Handtücher und den üblichen Turbans auf den Kopf kommen uns die Prinzessinnen entgegen.
Ich gehe einen Schritt zur Seite, lege mein Handtuch auf das Regal und stelle mich unter die nächste Dusche. Warm prasselt das Wasser auf mich herab und ich schließe meine Augen, damit ich meine Haare waschen kann. Das Geschnatter der anderen Mädels weitestgehend ignorierend, wandern meine Gedanken zu meinen Eltern, Mikko und Pekka. Als ich bei ihm angelangt bin, merke ich, wie in mir die Wut hoch steigt, die noch mehr angeschürt wird, als mir zufällig ein Kommentar von Jonna ans Ohr gelangt.
„Ah, sie ist doch nur Mittel zum Zweck!! Du glaubst doch nicht etwa, dass er sich mit einer Neureichen abgibt!!“ spöttelt sie und ich bin mir ziemlich sicher, dass es um mich geht.
Schnell greife ich nach meinem Shampoo und reibe es mir in die Haare, nur um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen.
Als ich mit Haarfönen, mich eincremen und anziehen fertig bin, stelle ich erschrocken fest, das ich alleine bin. Ich war wohl so sehr in Gedanken, dass ich das gar nicht überzogen habe. Schnell schmeiße ich alles in meinen Rucksack, ziehe meinen Sweater an und gehe aus der Halle. Verzweifelt nach meinem MP3-Player suchend, bleibe ich dann nach wenigen Metern stehen.
„Moi Sanna!!“ erschrocken fahre ich herum.
„Verdammt Babyface!! Musst du einen so erschrecken??“ fauche ich ihn an und hebe meinen Rucksack auf, der mir runter gefallen ist.
„Sorry!!“ meint er zerknirscht „Ich wollt dich nicht erschrecken, nur mit dir reden!!“
„Ok, dann red!!“ langsam gehe ich weiter und merke, dass er mitkommt.
„Das mit heute, das tut mir echt Leid. Mir ist wohl wieder eine Sicherung durchgeknallt!!“
Ich schaue ihn an und sehe, dass er es ernst meint.
„Hmm…ist ok, hast mir ja das Geld gegeben.“
„Nein, es ist nicht ok, aber ich kann’s nicht ungeschehen machen.“ Leicht flackert neben mir ein Licht auf, als er sich eine Zigarette anzündet.
„Weißt du, es ist so ein komisches Gefühl, so eine Art Zwang…immer wenn ich mit irgendwas nicht klar komme, muss ich es tun!!“ redet er weiter.
„Wieso, man muss nicht unbedingt rauchen, man kann auch…oh, du meinst dein Verhalten!!“ ich sehe, dass er leicht lächelt und muss mitlächeln. „Naja, dagegen kann man auch an, ich denke, bei dir ist es einfach nur ein Trotzverhalten. Du bist gegen alles und jeden und das vor allem vehement gegen deinen Vater. Wenn ich mir das erlauben darf, warum eigentlich??“
Als wir bei den Linden ankommen, setzen wir uns an den Tisch, wo ich nachmittags mit Aki saß.
„Ach, weißt du wie das ist, wenn einem ständig vorgeworfen wird, dass man doch zu nix fähig ist, dass man sich lieber an seiner großen Schwester ein Vorbild nehmen sollte??“
„Nein, ich wusste nicht mal, dass du eine große Schwester hast!! Aber noch mal auf deine Frage zu kommen. Ich habe einen großen Bruder und irgendwie schaffen es meine Eltern, uns gleich zu behandeln. Dafür sind sie aber auch kaum da.“
Warum ich in diesem Moment mein Herz bei Lauri ausschütte, dem Menschen, den ich eigentlich so gar nicht kenne, weiß ich selbst nicht, es tut nur verdammt gut.
„Weißt du, eigentlich bist du gar nicht so arrogant, wie du immer wirkst.“ Kommt es dann plötzlich leise von ihm und ich schaue ihn erstaunt an.
„Naja, du bist immer so unnahbar, fast als würdest du über den Dingen stehen. Eigentlich bist du da genau wie Aki!! Der lässt auch keinen an sich ran.“
„Naja, schau dich doch auch mal an. Alles an dir erinnert an eine Rebellion und dann gibst du ja auch nicht wirklich Grund dafür, sich mit dir auch nur in der geringsten Weise abzugeben! Du bist ein Chaot, der sich nix annimmt.“
Leise beginnt er zu glucksen, was sich zu einem lauten Lachen entwickelt. Als er sich wieder gefasst hat, schaut er mich grinsend an und nickt.
„Du hast recht, aber ehrlich gesagt bin ich nicht so!!“
„Ach, und wie ist dann der richtige Lauri??“
„He, wow, du kennst dawegen meinen Namen! Ja, wie bin ich wirklich??“ kurz schaut er an den dunklen Himmel, wo die Sterne funkeln und denkt nach. „Das kann ich dir nicht sagen, weil ich es selber nicht weiß.“
Plötzlich höre ich mein Handy klingeln und hole es aus der Tasche.
„Ja??“
„Mensch Sanna, wo bleibst du denn?? Ist dir was passiert??“ aufgeregt fragt mich Tanja.
„Hei Süße, nee, mir geht’s gut, ich sitze hier grad mit Lauri und rede mit ihm.“
„Du machst was?? Hast du irgendwas genommen, oder bedroht er dich mit etwas?? Soll ich zu Hilfe kommen??“ völlig perplex schreit sie fast ins Telefon.
“Nein, er macht nix, alles ist in bester Ordnung!“ versuche ich sie zu beruhigen, doch so recht will es nicht klappen. Ich höre, wie sie sich eine Zigarette ansteckt und muss lächeln.
„Ich komme aber gleich.“
„Das will ich hoffen, oder der Zwerg kann was erleben!!“
Nachdem ich aufgelegt habe, blicke ich wieder zu Lauri, der gedankenverloren mit einer seiner Strähnen spielt.
„Ich glaube, es ist Zeit Reinzugehen!“ meine ich dann und nehme meinen Rucksack.
„Hmm…stimmt!!“
Zusammen laufen wir zum Portal und am Fuße der Treppen verabschieden wir uns.
„Ähm Sanna??“
Auf der Stufe Halt machend, drehe ich mich noch mal zu ihm um.
„Ja??“
„Danke!“ bringt er leise hervor, bevor er sich wegdreht und zum Gemeinschaftsraum begibt.
„Kein Problem!“ flüstere ich noch und gehe dann kopfschüttelnd nach oben, wo mich eine aufgelöste Tanja erwartet.

8. Kapitel

„Lass dich ansehen!! Wehe er hat dir was getan!! Dann gnade ihm Gott!!“ brummelt Tanja, während sie mich umarmte. Leise lache ich auf und schiebe sie sanft von mir.
„Er hat mir nix getan, wir haben nur miteinander geredet, was auch sehr merkwürdig war!!“
„Wieso merkwürdig…ok, der Typ is merkwürdig. Was wollte er eigentlich von dir??“ Zusammen setzen wir uns auf das Sofa, was unser Zimmer in zwei Hälften teilt, ohne dass es aussieht, als würden hier zwei Personen wohnen, die sich nicht mögen.
„Och, erst jagt er mir einen Schrecken ein, als er mich vor der Halle anspricht und dann…weiß nicht, dann erzählt er auf einmal von zu hause und so!!“ beginne ich zu erzählen und Tanja lauscht mir gewissenhaft. „Ja und dann habe ich halt mal versucht, ihm meine Sicht der Dinge zu erklären. Ob er es verstanden hat weiß ich nicht, aber zumindest habe ich ihm meine Meinung gesagt.“
„Och, der kann auch mal zu mir kommen, dann sag ich ihm auch meine Meinung!!“ muss Tanja nun auch lachen und ich kann mir schon vorstellen, was sie Lauri zu sagen hat.
„Aber, was wollte der Zwerghamster wirklich??“ fragt sie nachdenklich, während sie sich eine Zigarette anzündet.
„Keine Ahnung, ich geh erstmal Zähne putzen…ach ja, übrigens danke dafür, dass du Aki mein Abendessen hast mitbringen lassen. Ohne dich wäre ich wohl beim Training umgefallen!!“ schnell drücke ich ihr einen Kuss auf die Wange, bevor ich mich ins Bad verziehe.
Mit sauberen Zähnen und schon in meinen flauschigen Bademantel gewickelt, komme ich wieder aus dem Bad und sehe, dass Tanja auf ihrem Bett liegt und in einer Zeitung schmökert.
Schnell packe ich meine Sachen für den nächsten Tag zusammen, als ich durch ein Klopfen an der Tür erschrecke. Als wir beide „herein“ rufen, steht plötzlich Aki vor uns, der ganz schnell auf eines der vielen Poster an der Wand blickt.
„Brauchst du noch Hilfe?? Dann warte kurz!!“ meine ich leise und gehe zu meinem Kleiderschrank.
„Nein, nein…ich wollte nur wissen…naja, bist ja wieder da…bis morgen!!“ kurz seiner Schwester zuwinkend geht er wieder und ich schaue ratlos zu Tanja.
„Naja, ich hab mir Sorgen gemacht und da hab ich bei ihm angerufen, ob du dort bist!!“ meinte sie leicht zerknirscht und ich nehme sie in den Arm.
„Das ist doch nicht schlimm!! Schließlich macht sich ja sonst keiner Gedanken um mich!“
„Doch, es gibt noch…aber, wie hast du das eigentlich vorhin gemeint mit dem Abendessen?? Ich habe nix zu Aki gesagt, nur, dass er dich nicht zu lange belagern soll, damit du noch essen kannst!!“
„Oh…weil, er kam mit einem vollen Tablett und meinte…ach naja, ist ja auch egal!!“ gähnend stand ich auf und ging zu meinem Bett, wo schon mein Nachthemd bereit lag. Dieses zog ich mir an und verkroch mich unter der Decke.
„Was hältst du von schlafen?? Morgen ist der große Test und ich will ausgeruht sein!!“ murmele ich mehr in meine Decke.
„Gute Idee, ich bin auch müde…“ beide gähnen wir noch mal herzhaft, wünschen uns eine gute Nacht und machen dann die Bettleuchten aus.

Am nächsten Morgen werde ich wieder auf sechs von meinem Wecker geweckt, doch als ich aus dem Fenster bei meinem Bett sehe, stelle ich betrübt fest, dass es regnet. Ich versuche zwar, nochmals einzuschlafen, doch es gelingt mir nicht, so dass ich aufstehe und mich anziehe. Schnell erledige ich meine Morgentoilette mit Zähne putzen etc. und gehe dann leise aus dem Zimmer. Ich beneide Tanja um ihren Schlaf, sie kann den ganzen Tag im Bett verbringen.
Langsam gehe ich die Stufen hinab und man bemerkt, wie das Internat zu Leben erweckt. Man hört Türen klappen, Mädchen die verzweifelt nach Haarspray, Shirts oder ähnlichen suchen, Jungs die schon früh am Morgen Fußball auf den Zimmern spielen müssen und auch den Hausmeister kann ich hören, wie er schimpfend seinen Rundgang erledigt.
Als ich die Etage der Jungen erreiche, registriere ich, wie eine Tür zufällt und sich Schritte nähern. Mit klopfenden Herzen gehe ich weiter und versuche, die aufkommende Panik zu unterdrücken. Schließlich, als ich den Treppenabsatz erreiche, schiebt sich zu den Schritten auch die Person ins Bild.
„Aki!!“ stoße ich leicht aus und versuche wieder normal zu atmen.
„Oh, hei Sanna!! Na, rennst mit??“
„Nee, lass mal, ich will nicht Krank werden. Nächsten Monat sind die Meisterschaften…“
„Aso, naja…ich geh dann mal!!“ kurz nickt er und rennt dann die Treppen runter, doch als ich kein Zuschlagen der Portaltüren höre, wundere ich mich.
Schnell gehe ich ihm nach und ziehe an einer der Türen, doch als ich hinaustrete, kann ich ihn weit und breit nicht sehen. Schnell gehe ich wieder ins Innere des Gebäudes, denn durch den Regen ist es ziemlich kalt geworden.
Ich will gerade in den Speisesaal gehen, als ich aus dem Musikzimmer ein dumpfes Klopfen höre, was sich immer wiederholt und durch einen scheppernden Ton unterbrochen wird. Neugierig lenke ich meine Schritte Richtung Musikzimmer und je näher ich komme, umso deutlicher höre ich, dass jemand das Drumset betätigt. Als ich die Türe einen kleinen Spalt öffne, stockt mir der Atem. Nicht weil die Person so schrecklich aussieht, sonder weil ich es dieser Person niemals zugetraut hätte.
„Aki, was machst du hier??“ schnell schlüpfe ich in das Zimmer und schließe die Türe, während der Angesprochene wie zu Salzsäule erstarrt dasitzt.
„Ich…naja…ich übe!!“ lächelt er mich dann an und zum ersten Mal bin ich sprachlos. Dieses Lächeln und dann diese Information, dass ist zuviel. „Aber bitte sag nix zu Tanja, sie flippt sonst aus!!“
„Ok…aber, seit wann…wieso…?“ ich lasse mich auf einen der Stühle fallen und starre ihn an. Plötzlich habe ich einen völlig anderen Aki mir gegenüber sitzen. Einen, der übers ganze Gesicht strahlen kann, so dass man glaubt, die Sonne platzt jeden Moment vor Neid, einen Aki, der zum Leben erwacht ist.

9. Kapitel

„Mensch Lauri, steh endlich auf!!“ Pauli rüttelt schon zum wiederholten Male an seinem Kumpel, der sich nur noch tiefer in die Bettdecke kuschelt. „He, heute ist der große Test!!“
„Ach lass mich…ich will schlafen!!“ brummt Lauri unter seiner Decke, doch Pauli zieht sie ihm mit einem Ruck weg.
„Nix da, wärest du gestern eben eher ins Bett!! Wo warst du überhaupt??“
Wütend steht Lauri auf und trottet ins Bad.
„Kann dir auch egal sein!!“ ruft er und greift nach seiner Zahnbürste. „Isch wollte nur für misch alleine schein!!“
„Aha und warum?? Du bist nach dem Essen abgehauen, warst noch nichemal zu Probe!!“ meinte Pauli, der sich an den Türrahmen lehnte und Lauri beobachtet.
„Sag mal, alleine pullern darf ich dann aber schon noch??“ mit einem leichten Schwung schmiss Lauri die Türe zu und Pauli trottete grinsend zu seinem Schreibtisch. Leise eine Melodie vor sich hersummend räumte er seine Sachen zusammen. Als es klopft geht er zur Tür und öffnet sie.
„Moi Eero, er ist gleich soweit!!“ grinst er und lässt den Dritten im Bunde rein. Eigentlich konnte er nicht so recht verstehen, warum Lauri ihn in der Band haben wollte, aber vielleicht ist der krasse Gegensatz zu den Beiden gerade richtig.
„Und, meinst er bekommt das heute hin??“
„Lauri?? Nee…er war relativ lange unterwegs heute!!“
„Ich dachte…ich bin ja mal gespannt!“ murmelt Eero und setzte sich auf einen der Stühle, nachdem er mit leicht angewidertem Gesicht Kleidungsstücke auf den Boden befördert hat.
Als Lauri dann nach endlosem Warten endlich aus dem Bad kommt, entfährt Pauli ein Seufzen.
“Ja ja Tonni!! Du bekommst schon noch dein Essen!! Morgen Eero!!“ schnell sucht er sich aus einem der vielen Klamottenhaufen etwas Passendes, schlüpft in seine Vans und greift nach seinem Rucksack. „Auf geht’s Mädels!!“
„He, nur weil ich lange Haare habe, bin ich kein Mädel!!“ grummelt Pauli, der aber sichtlich froh war, endlich zum Frühstück gehen zu können.

Als sie im Speisesaal ankamen, bemerkten sie, dass sie recht spät waren, denn kaum noch Studenten saßen hier.
„Los macht hin!! In einer viertel Stunde beginnt der Unterricht!!“ drängt Eero sie und greift nach einer Schüssel. Pauli steht vor dem Brötchenkorb und legt sich zwei davon auf sein Tablett, bevor er weitergeht. Lauri greift sich nur eine Tasse und geht schnurstracks zu den Kaffeekannen.
„Du musst was essen! Oder wie willst du bis heute Mittag überstehen??“ ermahnt ihn Eero woraufhin er einen warnenden Blick von Lauri erhält.
„Ok, sorry…wollt ja nur….“ doch sein Protest erstirbt und er setzt sich an einen Tisch.
„Sach mol…wo wascht eigentlisch geschtern??“ fragt Pauli mit vollem Mund.
„Bin nur in der Gegend rumgelaufen!!“
„Aha, und dasch gansche drei Schtunden??“
„Ja, stell dir vor!!“ bockig nippt Lauri an seinem Kaffee und spätestens jetzt ist jedem klar, dass man ihn heute am Besten in Ruhe lässt.
„Hmm…hoffentlich hält sich der Puotalainen heute zurück. Noch mal so eine schwere Arbeit wie Letztens will ich nicht schreiben!!“ versucht Eero das Gespräch wieder aufleben zulassen, welches aber nicht von Erfolg gekrönt ist. So schaffen sie schweigend ihre Tabletts zur Abgabe und gehen dann den Unterrichtsraum. Dort sitzen schon die anderen Schüler und versuchen, sich nochmals alles einzuprägen.
Lauri geht, die Blicke der Mädels ignorierend, an seinen Platz und starrt gedankenverloren aus dem Fenster. Pauli, der neben ihm sitzt, legt alles bereit und schaut ebenfalls noch mal in seinen Hefter.
Als Herr Puotalainen den Raum betritt, herrscht augenblicklich Ruhe und jeder schaut gebannt nach vorne.
„Guten Morgen die Herrschaften!! Hefter weg, ein leeres Blatt und die Schreibsachen können auf den Tischen liegen bleiben. Sie haben insgesamt 90 Minuten, wer vorzeitig fertig sein sollte, verlässt bitte leise den Raum. Wen ich beim Spicken erwische, fliegt raus und bekommt eine zehn.“
Rasch teilt er die Zettel aus und man hört nur noch das Kratzen der Federn.


10. Kapitel

Das letzte Mal Korrekturlesen und ich erhebe mich von meinem Platz um meine Arbeit abzugeben. Es sind nicht mehr viele Schüler da, einige haben schon kurz nach dem Anfang aufgegeben und sind leise schimpfend aus dem Zimmer. Als ich zurück an meinen Platz gehe, fällt mein Blick auf Lauri, der nicht gerade glücklich aussieht. Aufmunternd zwinkere ich ihm zu und er lächelt leicht.
Schnell räume ich meine Sachen in den Rucksack, schaue noch einmal in die Runde und verschwinde dann. Vor der Tür steht Tanja, die schon eher fertig war und einen Kaffeebecher in der Hand hält.
„War das nen Scheiß??“ empört sie sich, während wir Richtung Schulhof gehen.
„Naja, war schon schwierig, am schlimmsten war der Grammatikteil. Hätte nicht gedacht, dass er uns alles einzeln auseinander pflücken lässt und wir das auch noch erklären müssen!!“ ich streiche mir eine Strähne hinters Ohr „Und das er den Stoff aus dem ersten Halbjahr nochmals mit drannimmt!! Phonologie!! Ich dachte echt, der hat sie nimmer alle.“ rege auch ich mich auf. Zusammen setzen wir uns auf eine der Bänke und lassen die Seele für einige Minuten baumeln. Um uns herum verstreut sitzen die anderen der Klasse und an ihren Gesten kann man erkennen, dass auch sie sich beschweren.
Immer wieder klingen Wortfetzen zu uns herüber und das regt auch unser Gespräch wieder an. Ständig fallen mir Dinge der Klausur ein, die ich dringend loswerden muss und schon sind Tanja und ich auch in eine rege Diskussion verfallen.
Plötzlich deutet sich neben uns ein Schatten ab und als ich erstaunt aufblicke erkenne ich Sami, der auch recht verzweifelt über seiner Prüfung gehangen hatte.
"Sagt mal, habt ihr die dritte Aufgabe gemacht? Der Alte hat sie doch nicht mehr alle." Meint er aufgebraucht und setzt sich neben uns.
„War das mit den Lehnwörtern?? Ja, das war schon ganz schön schwer, zum Glück hatten wir das erst vor kurzem in Schwedisch.“
„Na, du hast ja auch aufgepasst, nur ich hab mich mal wieder mit was anderem beschäftigt!“ gibt er kleinlaut zu und zusammen reden wir noch weiter über die Arbeit. Immer mehr Schüler kommen zu uns und wie so oft vorher, hat jeder irgendwas anderes nicht verstanden, bzw. als Antwort geschrieben.

„Verflixt und zugenäht!!“ schallt es plötzlich über den Schulhof, als Lauri zusammen mit Pauli und Eero aus dem Gebäude kommen. „Der kann was erleben der Idiot!!“
„Jetzt beruhige dich!! Du hast überall eine Antwort und ich denke, dass wird nicht so schlimm werden!!“ versucht Eero ihn zu beruhigen, doch unwirsch werden seine Hände von Lauri abgeschüttelt.
„Wenn ich wegen dem sitzen bleib, dann kann der was erleben!!“ schreit der kleine Blondschopf weiter und kramt in seiner Hose nach seinen Zigaretten.
„Jetzt warte doch erstmal ab, was du für eine Note bekommst!! Und Aufregen hilft da jetzt auch nicht mehr!!“ weiter wie auf ein Kleinkind einredend versucht Eero sein Bestes, doch Lauri will nix hören.
„Ja, du hast gut Reden!! Ach vergiss es…“ wütend lässt Lauri sich im Gras nieder und starrt vor sich hin. Eero und Pauli nehmen neben ihm Platz und schweigen.
„Jetzt sind ja alle da…aber wo ist Aki??“ frage ich Tanja leise, die nur mit den Schultern zuckt.
„Keine Ahnung, wird wohl auch gleich kommen. Er war ja vor mir schon fertig.“
„Vielleicht ist er auch wieder…“ erschrocken breche ich ab, denn Tanja soll ja nichts davon wissen. Doch durch die Gespräche um uns herum scheint sie es glücklicherweise nicht registriert zu haben.
Gemeinsam unterhalten wir uns mit den Anderen über die Klausur und auch über das bevorstehende Wochenende und was so angesagt ist, denn viele der Internatsbewohner bleiben oft hier, da sich eine Heimreise nicht lohnt.

11. Kapitel

Nach vier Stunden Kunst beginnt für uns endlich das Wochenende. Das allgemeine Chaos der Abreisenden bricht aus, während Tanja und ich uns gemütlich in den Speisesaal setzen und zu Mittag essen.
Von den etwa 40 Internatsbewohnern fährt die Hälfte nach Hause, die andere Hälfte versucht ihre Zeit totzuschlagen, in dem sie in die angrenzenden Ortschaften fortgeht. Oftmals sind Tanja, Majia, Kiia und ich die einzigen Mädels, was uns doch ein bisschen zusammengeschweißt. Kiia und Majia sind beide in der Oberstufe und bei mir im Volleyballteam. Kiia ist schon seit ich an diesem Internat bin, also seit ca. 2 Jahren, mit einem der Eishockeyspieler aus Liminka zusammen und eigentlich kaum im Internat.
Von den Jungs aus unserer Klassenstufe sind immer das Trio Infernale, Aki, Sami und Juha da, doch sie gehen alle irgendwie ihre eigenen Wege. Von den Oberschülern sind meistens die Sportler, also auch Pekka, im Haus, doch die findet man nur auf dem Sportplatz bzw. abends in irgendwelchen Bars.
„Und, was machen wir dieses Wochenende??“ frage ich Tanja.
„Morgen spielen HIM in Oulu, also da weißt du, wo du mich findest!!“ lächelt sie und ihre Augen funkeln wie kleine Sterne.
„Morgen hab ich doch aber das Volleyballspiel!!“ traurig sehe ich sie an. Auch wenn das nicht meinem Musikgeschmack entspricht, ist so ein Konzert mir allemal lieber als alleine im Internat zu sitzen und TV zu schauen.
„Oh, das ist doof…bitte sei mir nicht böse, aber ich freue mich schon so lange darauf!! Schließlich haben sie, seit sie in Europa den großen Durchbruch hatten, kaum noch Konzerte in Finnland gegeben!!“
„Nee, das ist kein Problem, ich werde mal sehen, was die Mädels machen, vielleicht gehe ich mit ihnen mit!!“ sie aufmunternd anlächelnd führe ich meine Gabel zum Mund.
„Und wenn du nach gefahren kommst?? Ihr spielt doch schon nachmittags gegen zwei, da könntest du doch nach Oulu kommen??“
„Ja, aber ich habe keine Karte!!“
„Das ist kein Problem, ich habe ja zwei!!“ lacht sie und wir sind uns einig, wie der Samstag ausschaut.
„Und heute??“
„Ja, da habe ich keine Ahnung. Wir können ja heute mal ins Kino gehen oder so.“ Vollgegessen lehnen wir uns zurück und wägen die Möglichkeiten der Freitagabendgestaltung ab, als mein Blick auf die Prinzessinnen fällt. Durch das Spiel am Samstag sind leider auch sie im Internat geblieben und natürlich sitzen auch Pekka und seine Freunde bei ihnen. Meine Augen verdrehend stehe ich auf, nehme die Tabletts und steuere auf die Ablage zu, als Jonna ruft. Kurz drehe ich mich zu ihr um und blicke in ihr Gesicht, welches mit einem falschen Lächeln geschmückt ist.
„Ich wollte dich nur noch mal daran erinnern, dass heute noch ein Training ist, nicht dass du fortgehst oder so!!“ als wenn sie einen Witz erzählt hätte, fängt sie an mit kichern und ihre Anhängseln fallen ein. Angewidert von soviel Blödheit drehe ich mich wieder um und schaffe die Tabletts weg. Am Ausgang steht Tanja und schaut mich fragend an und als ich ihr erzähle, was vorgefallen ist, will sie gleich wieder zurück und Jonna die Leviten lesen, doch ich ziehe sie einfach mit mir mit.

An unserem Lieblingsplatz, einem alten Kräutergarten mit einer noch älteren Bank zum hinsetzen, ziehen wir uns zurück und genießen die Sonne, das Zwitschern der Vögel und die Ruhe. Ein leises Klacken neben mir deutet mir an, das Tanja sich eine Zigarette angezündet hat und schon kann ich auch den Rauch riechen.
„Das tut gut!! Nach dem Essen sollst du eine rauchen….“ seufzt sie und ich muss lächeln.
„Oder einen Mann missbrauchen!!“ flüstere ich und beide müssen wir lachen.
„Wie lang geht das Training heute??“
„Ich denke wieder bis zehn, da wir ja gewinnen müssen um noch um den Titel spielen zu können!!“ murmelte ich, weil ich am Liebsten fortgehen möchte, aber das nicht geht.
„Na, das ist doch die beste Zeit dann. Streng dich einfach nicht zu sehr an, damit du noch fit bist, und dann gehen wir schön einen Trinken.“ schlägt Tanja vor und ich nicke zustimmend. Als sie aufgeraucht hat gehen wir erstmal in unser Zimmer und räumen auf. Weil wir Wäsche waschen gehen wollen, suchen wir alles zusammen, räumen das in den Korb und gehen zum Auto. Wir könnten die Wäsche auch im Internat waschen, aber da müssten wir sie auf eine Leine hängen und jeder könnte unsere Sachen sehen. Lieber bezahlen wir 5 Euro mehr und können den Trockner mitbenutzen.
In der Stadt angekommen sucht Tanja erstmal verzweifelt einen Parkplatz und dann gehen wir mit unserem Korb in den Waschsalon. Dort herrscht schon ein leichtes Chaos, denn viele der Internatsbewohner haben die gleiche Idee und so wird es einem aber auch nicht langweilig.
Weiter hinten kann ich sogar das Trio Infernale ausmachen, das wie doof vor den Maschinen steht und irgendwelche Späße treiben. Schnell räume ich unsere Wäsche in zwei Maschinen und kippe nur Waschpulver und Weichspüler hinzu.
„Bleiben wir hier oder wollen wir einen Kaffee trinken gehen??“ frage ich dann Tanja, doch auch sie hat Lauri und Co. gesehen und so beschließen wir, vor Ort zu bleiben.
Amüsiert beobachten wir die anderen Nutzer und können uns ab und an ein Lachen nicht verkneifen. Nach knapp zwei Stunden ist alles fertig und wir gehen etwas erschlagen aus dem Salon und fahren zurück zum Internat.

12. Kapitel

„Ähm, weißt du eigentlich, wie man so was bedient??“ Eero schaut Lauri skeptisch an, als dieser vor dem Waschautomaten steht und seine Sachen hinein stopft.
„Naja, Waschpulver da rein, Weichspüler da rein und anschalten!!“ meint Lauri kurz und schaut Eero an. „Seit ich hier im Internat lebe muss ich meine Wäsche selber waschen!! Habs nicht so gut wie du!“
„Sorry, kann nix dafür, dass meine Oma um die Ecke wohnt, außerdem hat sie es dir auch angeboten!!“
„Na klar, jetzt lass ich mir schon von deiner Oma die Shorts waschen!! Soweit kommts noch, da lieber kaufe ich mir jede Woche alles neu!!“ empört sich Lauri und schaltet die Maschine an.
„Naja, ist ja schon gut!“ beschwichtigend hebt Eero die Arme und Pauli, der die ganze Zeit Schokolade gegessen hatte, macht Lauri auf Sami aufmerksam, der am Waschsalon vorbei läuft. Schnell rennt Lauri ihm hinterher und erreicht ihn kurz bevor Sami in das Einkaufscenter gehen will.
“Moi Sami!“ die Arme auf den Knien abstützend bleibt er stehen und schaut zu seinem Gegenüber hoch.
„Moi Lauri! Was ist?? Raucherlunge??“ lacht Sami und klopft Lauri kameradschaftlich auf den Rücken.
„Ich wollte noch mal fragen wegen dem, was wir vor kurzem besprochen haben!“
„Ah ja….wie schauts aus, klappts heute Abend? Ich bringe dann Janne mit, wenn du möchtest? Er müsste heute von der Armee wiederkommen.“
„Und, würde er denn den Gesangspart übernehmen? Nicht das er wegen der Armee nicht kann.“ skeptisch blickt Lauri zu Sami, der jedoch zieht nur seine Schultern hoch.
„Du, das weiß ich nicht wirklich, am Besten wir warten bis heute Abend.“
„Ok, bis dann.“ Schnell verabschieden sich beide und Lauri geht zurück in den Waschsalon, wo Eero und Pauli gespannt auf ihn warten.
„Was sagt er??“ fragt auch gleich Pauli.
„Joar, geht klar, wir treffen uns dann heute Abend. Dann sehen wir weiter.“ Seufzend lässt sich Lauri nach hinten fallen und schweift mit seinen Gedanken ab, als er Tanja und Sanna in den Salon treten sieht.
„He Lauri, hast du rote Shorts??“ fragt auf einmal Pauli und er ist dankbar für diese Abwechslung. Schnell sind sie bei ihrem Lieblingshobby, dem Lästern, und tauschen ihre Erlebnisse aus Kindheitstagen aus.
„Wart ihr auch mal in so einem Feriencamp??“ kichert Eero leise und als die beiden Anderen verneinen, erzählt er ihnen, was ihm damals passiert ist.
„..und echt, da haben die den größeren Mädels alle BHs geklaut und an einen Fahnenmast hochgezogen und die Unterhosen von dem einen hingen auch mit dran. Wisst ihr, wie das aussah?? Micky Maus – Shorts und all die BHs??“ die Jungs lachen laut und Eero treten schon die Tränen in die Augen und er hat Bauchschmerzen. Als die Maschine fertig ist, holt Lauri sie schnell raus und bringt sie zum Trockner. Nach einer halben Stunde ist alles soweit und die Jungs verlassen, noch immer Witze reißend, den Salon. Als sie an den Mädels vorbeigehen, wirft Lauri Sanna einen kurzen Blick zu, doch sie ist zu sehr ins Gespräch mit Tanja vertieft um das zu bemerken.

Zurück im Internat schmeißt Lauri seine Sachen einfach in den Schrank, Hauptsache sie liegen nirgends rum. Manchesmal vermisst er schon das Hausmädchen, die diese Arbeiten erledigt, doch er hört schon seinen Vater sagen: „Junge, werd endlich erwachsen, ich musste früher meine Sachen auch selber machen und konnte mir auch nicht dauernd was Neues kaufen, ich habe für mein Geld hart gearbeitet.“ Wie er es hasst.
„He Lauri, bist dann soweit? Wir wollen noch mal hinter zum See!!“ Pauli, der in der Zwischenzeit bei Eero war, steckt seinen Kopf zur Tür herein und erschreckt damit seinen Zimmernachbarn.
„Ja, ok, einen Moment bitte!“ schnell schließt Lauri die Schranktür, nimmt seinen Rucksack und folgt Pauli. An der Treppe wartet Eero und zusammen laufen sie los.
Als sie gerade bei den Linden sind, läuft Aki an ihnen vorbei. Kurz nickt er Eero zu, bevor er auf den Waldweg abbiegt.
„Der hat auch nen Schatten!!“ murmelt Pauli, für den es unverständlich war, wie man täglich mindestens zehn Kilometer laufen kann.
„Wieso?? Er tut doch nur was für seine Figur und seine Gesundheit. Könnte dir auch nicht schaden!!“ meint daraufhin Lauri und alle beide schauen ihn verdutzt an.
„Das sind aber ganz neue Töne!!“ kommt es von Eero, doch Lauri winkt nur ab.
„Na, ist doch so. Oder habt ihr ihn schon mal rauchen oder mit einer Flasche Bier in der Hand gesehen??“
Als beide verneinen, hebt er leicht seine Hand. „Seht ihr, er ist halt so nen Gesundheitsmensch!“
„Fehlen nur noch die Jesuslatschen!!“ kichert Pauli und auch Eero muss lachen. Lauri hingegen ist schon wieder in Gedanken versunken.

12. Kapitel

„Sanna, könntest du bitte aufpassen?? Das ist jetzt schon das siebte Mal das du nicht annimmst!!“ Frau Malinen sieht streng auf mich und wechselt mich aus. Aufatmend setze ich mich hin und sehe den Anderen zu. Als das Training endlich vorbei ist, will ich schnell in die Dusche, damit ich zu Tanja kann, doch Frau Malinen hält mich auf.
„Sanna, was ist los?? Du bist in letzter Zeit so unkonzentriert!!“ sorgenvoll betrachtet sie mich.
„Ähm…es ist nix. Vielleicht nur etwas müde und so. Das vergeht schon wieder.“ wiegele ich ab, doch sie scheint nicht zufrieden zu sein.
„Ich werde dich morgen als Ersatz nehmen, du weißt worum es geht!“
„Ok…“ murmele ich und gehe an ihr vorbei zu den Duschen. Dort grinsen mich die Prinzessinnen hämisch an, doch mir ist es egal. Ich war noch nie in meinem Leben Ersatzspieler und das macht mir etwas zu schaffen. Schnell packe ich meine Sachen, springe unter die Dusche und ging dann schnellen Schrittes aus der Halle ohne mich zu verabschieden.
“Früher hat man noch „Auf Wiedersehen“ gesagt!!“ ruft mir Jonna im mir hinterher.
„Bye!!“ murmele ich und will aus der Tür verschwinden.
„Ach ja, eigentlich kannst dich gleich mit der Ersatzbank anfreunden, denn ich denke, du bist zu langsam und zu…naja, sagen wir mal so, zu dick dafür!!“ lacht sie und ich merke, wie mir die Röte ins Gesicht steigt.
„Ich bin überhaupt nix…“ drehe ich mich dann wütend um.
„Ach, schau dich doch mal an!!“ meint sie noch immer lachend und ich bin zum ersten Mal bereit, mir einen Verweis einzufangen, doch ich lasse es lieber sein.
Als ich vor der Tür bin, fluche ich laut über diese Tussi und was ich ihr am liebsten antun würde.
„Dann hätte ich aber keinen Partner mehr zum Laufen!!“ kommt es plötzlich von der Seite und ich drehe mich erschrocken um.
„Ist das ein neues Hobby?? Erschreckt Sanna nach dem Training…“ fahre ich ihn dann leise an und Aki zieht erstaunt eine Augenbraue hoch.
„Sorry,…wollte dich nicht so anfauchen!!“
„Hmm…ok. War grad laufen und da habe ich gesehen, dass du rauskommst. Naja, gehen wir zusammen zurück??“
„Ja, aber ich muss mich beeilen. Wir wollen heute mal in die Stadt.“
„Was macht ihr denn da??“
„Och, ich denke mal nicht sehr viel, gehen vielleicht in die Bar und so. Hier ist ja nun nicht sehr viel los. Morgen gehen wir ja zum HIM-Konzert und danach mal sehen.“ plappere ich drauflos und genieße es, mal nicht alleine zurücklaufen zu müssen.
„Ui, das ist aber viel. Geht ihr da auch ins Gigglin Marlin heute??“
„Ich denke ja. Was machst du denn heute??“
„Weiß noch nicht, erstmal duschen.“ lacht er leise und ich nicke.
Im Internat angekommen verabschiede ich mich von Aki und renne die Treppen nach oben.
Tanja erwartet mich schon sehnsüchtig und nachdem ich mich noch umgezogen und geschminkt habe, gehen wir los zum Auto.

In unserer Lieblingsbar ist es schon ganz schön voll, kein Wunder ist ja Freitag, da erwacht dieses kleine Städtchen immer zu Leben. An der Bar holen wir beide uns erstmal etwas zum Trinken und suchen uns dann einen ruhigen Platz. Viele Studenten und Jugendliche von Jyväskylä sind hier, weil in die anderen Bars wir vom Alter her noch nicht reinkommen.
So brauche ich auch nicht lange zu warten und Tanja verdreht neben mir genervt die Augen, als ein kleiner blonder Igel vorbeigeschlendert kommt und sich mit seinem Bier wie der Held fühlt. Seine 2 Schatten halten ebenfalls ein Bier fest und folgen ihm. Mehrere Mädels dabei anlabernd, bahnen sie sich einen Weg zum Billardtisch und ich sehe grinsend zu Tanja. Sie zeigt mir nur an, dass sie die Jungs hirnverbrannt findet und zieht mich dann wieder mit zu Bar.
Dort stehen einige Jungs die uns anreden und wir lassen uns auf einen Smalltalk ein. Gemeinsam trinken wir mit den Jungs, wobei ich mich später dann nur noch auf Alkoholfreies beschränke, da ich fahren muss. Wir unterhalten uns und erfahren, dass sie Wirtschaft studieren, eigentlich aus Tampere kommen, was mich an meinen Bruder erinnert. Tanja flirtet ein wenig mit dem Dunkelhaarigen, dessen Namen ich schon nach der Begrüßung wieder vergessen hatte und ich versuche mich auf das Gespräch mit seinem Kumpel zu konzentrieren. Doch das ist gar nicht so einfach, denn kurz nachdem wir uns hingesetzt hatten, erblicke ich Pekka zusammen mit Jonna und irgendwie muss ich die beiden immer wieder beobachten. Als mir mein Gesprächspartner, Lasse wenn ich es richtig in Erinnerung habe, immer mehr auf die Pelle rückt, versuche ich Tanja darauf aufmerksam zu machen, doch sie ist zu sehr ins Gespräch vertieft, so dass ich mich entschuldigend erhebe und in Richtung Toiletten flüchte. Dort spritze ich mir erstmal kaltes Wasser ins Gesicht und schaue in den Spiegel. Kurz ziehe ich eine Grimasse und gehe dann raus, nur um Pekka in die Arme zu laufen.
„Holla schöne Frau, wohin denn so eilig??“ lächelt er mich an und für meinen Moment bleibt mein Herz stehen.
„Sorry…ich will…muss…“ stammele ich und schaue beschämt zum Boden.
„Hast du Lust auf eine Runde Dart oder so??“ erschrocken blicke ich ihn an, das kann jetzt nicht sein Ernst sein. Er ist doch mit Jonna hier. Als ich ablehnen will, schüttelt er mit dem Kopf.
„Ein „Nein“ lasse ich nicht gelten!!“ meint er fröhlich und ich lasse mich überreden. Das war doch immer mein Wunsch, mit ihm zusammen zu sein.
Am Tisch von uns vorbeilaufend deute ich Tanja an, das ich beim Dart bin, doch als sie sieht, mit wem, verzieht sie das Gesicht. Bevor wir zum Dartautomaten gehen, bestellt Pekka unterwegs noch an der Bar Getränke.
Dann ist es soweit, das erste Mal alleine mit Pekka und er benimmt sich auch ganz gentlemanlike, so dass ich schnell meine Unsicherheit abwerfe und anfange, alles zu genießen. Wir unterhalten uns während des Spiels über alles Mögliche, auch über unseren Sport, und er verrät mir, dass er das nur macht, um seinen Vater glücklich zu machen. Als ich das höre, beginnt sich mein Heiligenbild Pekka langsam in Luft aufzulösen.
„Aber, warum strengst du dich dann trotzdem so an??“ frage ich, während ich mich an der Linie aufstelle.
„Naja, so behalte ich wenigstens meine sportliche Figur und bleibe fit. Und die Mädels finden es auch gut!!“ meint er und schaut mich an. Zu perplex um auch nur einen Ton herauszubekommen, schaue ich ihn weiter an und in meinen Kopf wirbeln sämtliche Gedanken durcheinander.
„He, hallo?? Erde an Sanna!!“ er wedelt mit seinen Händen vor mir.
„Sorry, ich habe gerade nachgedacht.“
„“He...nicht nachdenken, in der Schule müssen wir schon genug unser Kopf anstrengen, also nicht auch noch hier!!“ meint er leise an meinem Ohr, als wir ein Räuspern vernehmen. Als ich mich umschaue, stehe ich plötzlich Jonna gegenüber, die mich böse anfunkelt.
„Würdest du bitte die Finger von meinem Freund lassen??“ zischt sie leise und mit falschem Lächeln geht sie zu Pekka.
„Hei Darling, ich hoffe du musstest nicht zulange in der Gesellschaft dieser Langweilerin sein??“ flötet sie dann und ich starre sprachlos von Einem zum Anderen.
„Nein, sie ist jetzt zwar nicht mit dir zu vergleichen, doch auch nicht langweilig!!“ lächelt er sie an, bevor er sie küsst.
„Ich bin nur ein Lückenbüßer??“ in mir zerbricht soeben eine Welt und ich möchte am Liebsten schreien, doch ich nehme nur mein Getränk und gehe zu Tanja zurück. Um den Schmerz zu betäuben der sich gerade in mir ausbreitet, bestelle ich mir einen Whisky. Tanja schaut zwar skeptisch, doch ich wende mich Lasse zu, um ihren Fragen auszuweichen und unterhalte mich mit ihm.


13. Kapitel

Je mehr Whisky ich intus habe, umso näher rückt mir Lasse, doch diesesmal habe ich nix dagegen. Angeheitert unterhalte ich mich mit ihm über Musik, Sport und bemerke nicht einmal, wie er einen Arm um mich legt. Seine andere Hand legt er auf meinen Schoß und kommt mir immer näher, als Tanja und Björn, so heißt Lasses Kumpel, an den Tisch zurückkommen. Beide waren tanzen und wie Tanja mich so in Lasses Armen sieht, fragt sie ihn, wie viel ich denn getrunken hätte.
„Ooch, die kleine Lady hat reichlich getankt und ist super gut drauf.“
„Ja, denkst du!!“ faucht sie ihn an und beugt sich dann über mich. „Hei Sanna!! Was machst du für nen Scheiß?? Komm, wir gehen mal kurz raus!!“
„Wiescho?? Isch wüll nüsch rausch…mür gähtsch gud!!“ nuschele ich und lehne meinen Kopf nach hinten.
„Siehst du, deiner Freundin geht’s gut!!“ bestätigt auch Lasse, doch Björn zieht ihn von mir weg und redet auf ihn ein. So wie jedoch Lasse weg ist, kippe ich zur Seite und muss aufgrund dessen anfangen mit kichern. Tanja, die schon fast krank vor Sorge ist, weiß sie doch, dass ich kaum Alkohol trinke, zieht mich wieder hoch und schleift mich aus der Bar.
„Mensch Kleines, was machst du denn?? Kein Mann der Welt ist es wert!!“ redet sie beruhigend auf mich ein, als ich mich würgend über einen Abfalleimer beuge. Als ich mir alles noch mal durch den Kopf „gehen“ lassen habe, setze ich mich erschöpft und niedergeschlagen an die Wand, während Tanja unsere Sachen holt. Kurz schließe ich die Augen, doch nicht lange währt diese Ruhe, als sanft an mir gerüttelt wird. Einen Spalt weit öffne ich meine Augen und blicke in weiches blau, was mich besorgt betrachtet.
„Alles ok Sanna?? Tanja hat mich angerufen, dir geht’s nicht so gut und ich soll dich holen.“ Leicht schüttele ich den Kopf und schließe meine Augen wieder, ich will nur noch schlafen.
„Sanna, nicht schlafen…komm, da ist Tanja mit deiner Tasche.“ Höre ich Aki reden, doch ich bin zu schwach um meine Augen zu öffnen.
„Was ist passiert??“ fragt dieser dann seine Schwester, als sie ihm die Sachen und die Autoschlüssel gibt.
„Pekka, Jonna, Alkohol und nen Idiot!! Das ist die Kurzversion, die andere erzähle ich dir später. Bring sie bitte heim, du bist der Einzige der mir gerade einfiel.“ Bittet sie ihn leise und wenn mir mein vernebeltes Gehirn nicht noch mehr vorgaukeln will, gibt sie ihm sogar einen Abschiedskuss auf die Wange. Ein leichtes Rucken verrät mir, dass Aki mich hochhebt, doch wie ich jeden Kontakt zu Erde verlier, dreht sich in mir wieder alles.
„Aki, lass mich runter!!“ bringe ich mühsam hervor und drehe mich dann schnell weg. Nachdem nun auch das letzte Bisschen seinen Weg gefunden hatte, lehne ich mich völlig fertig an den Baum, während Aki nach einem Taschentuch sucht.
„Danke!“ krächze ich leise und putze mir zumindest provisorisch das Gesicht. Zum Glück hat er mir die Haare hinter den Kopf gehalten, sonst wären sie wohl alle mit versaut worden.
„Kein Ding…können wir??“ als ich nicke, hilft er mir hoch und langsam gehen wir zu Tanjas Auto.
„Sag mal, warum hast du kein eigenes Auto??“ frage ich ihn und er grinst mich schelmisch an.
„Ich hab schon eins, bin nur zu faul, es aus der Tiefgarage zu holen.“
„Ach, deswegen hast du dich dann also mit Tanja gestritten, oder wie??“
„Ja, weil sie es nicht verstehen konnte, aber naja…“ sachte lässt er den Motor an und bugsiert das Auto aus der Parklücke. Die Musik, die leise aus dem Radio sprudelt, lulle mich binnen weniger Minuten ein und somit schlafe ich wieder ein.

„Sanna, wo ist dein Schlüssel??“ höre ich Aki wie durch eine Wand.
„Im Zimmer…“ nuschele ich und lasse meinen Kopf gegen Akis Brust fallen.
„Da ist aber zugeschlossen, wie willst du reinkommen??“
„Ich warte hier auf Tanja…“ müde will ich mich vor die Türe legen doch Aki zieht mich kurzerhand hoch und schleift mich die Stufen wieder hinab.
„Wo willst du hin?? Tanja wird bestimmt nicht mehr im Club sein!!“ völlig am Ende meiner Kräfte bliebe ich auf der Treppe stehen und zwinge mich, Aki anzuschauen.
„In mein Zimmer, du musst ins Bett!!“ murmelt er und nimmt mich an die Hand. Willenlos stolpere ich ihm hinterher und als wir endlich bei ihm ankommen, freue ich mich nur noch auf das Bett. Noch schnell ein Danke an Aki murmelnd falle ich auch gleich in einen tiefen Schlaf und bemerke nicht, wie er schnell bei Tanja anruft und sich dann daneben legt.

Am nächsten Morgen werde ich von einem Sonnenstrahl geweckt, der mir verführerisch um die Nase tanzt und mich zum Niesen bringt. Seufzend drehe ich mich um und stoße dabei mit etwas weichem zusammen. Irritiert blicke ich auf Akis schlafendes Gesicht. Sein Mund steht leicht offen und seine Nase kräuselt sich ab und an, doch ansonsten merke ich nix davon, dass auch er schon munter wird. Und wie ich so Aki beobachte, fällt mir alles ein. Ruckartig will ich mich aus dem Bett erheben und dabei schießt ein pochender Schmerz in meinen Kopf, der mich zurück in die Kissen zwingt. Leise stöhne ich vor Schmerzen und ich versuche noch einmal, aufzustehen, was aber daran scheitert, dass Akis Arm sich um mich legt. Leise brabbelt er etwas und drück mich näher an sich heran, doch das war’s auch schon. Nun lieg ich, hellwach und mit einem tierischsten Kater in Akis Armen gefangen. Tief einatmend versuche ich dann erstmal meine etwas wirren Gedanken wieder in Einklang zu bekommen, doch durch Akis ruhigen Atem in meinem Nacken, schlafe auch ich noch einmal ein.

14. Kapitel

„Lauri, lass uns nach Hause gehen!!“ bittet Eero und auch Pauli nickt zustimmend.
“Ok, ich dachte nur…ich…egal, lasst uns gehen.“ Sein Bier austrinkend schlendert er zusammen mit seinen Kumpels zum Ausgang, des mittlerweile recht leeren Lokals. Gemeinsam torkeln sie den Weg zum Internat und werten dabei den Abend aus.
„Also, die Weiber heute waren echt langweilig!!“ meckert Pauli und auch Lauri fragt sich, woran das heute gelegen haben könnte.
„Mal was anderes, was ist, wenn das morgen mit diesem Janne nicht klappt?? Ich mein, der is ja so schon lustig, so wie er heute war, aber…“ beginnt Eero, doch Lauri winkt müde ab. „Darüber mach ich mir morgen einen Kopf, ich will nur noch heim und schlafen.“
„He, habt ihr eigentlich mitbekommen, wie besoffen diese Sanna war??“ lacht nun Pauli und auch Lauri muss kichern.
„Die war voll bis unter die Haube, dass sie überhaupt noch gehen konnte.“
„Naja, wo war sie dann eigentlich??“ fragt Eero und die beiden anderen zucken mit der Schulter.
„Tanja kam dann wieder, aber Sanna habe ich nicht mehr gesehen!“ murmelt Lauri und ist erfreut, als er endlich das Internatsgebäude sehen kann.

„Man, bin ich kaputt!!“ schnell zieht Pauli seine Schuhe aus und legt sich auf sein Bett, während Lauri ins Bad geht. Nach einigen Minuten kommt er wieder raus und setzt sich ebenfalls aufs Bett.
„Wie soll das denn eigentlich dann mit der Band ablaufen??“ nachdenklich kaut er auf seiner Unterlippe und starrt auf das Graffiti an seiner Wand.
„Naja, erstmal schauen wir, was dieser Janne denn wirklich kann, wenn nicht, müssen wir eben schauen. Und dann schön peut á peut.“ Gähnend erhebt sich Pauli und läuft ins Bad.
Währenddessen zieht sich Lauri bis auf seine Shorts aus und legt sich hin. Mit verschränkten Armen starrt er noch eine Weile an die Decke, bevor er sich seufzend umdreht und nachdenklich seine Gitarre, die neben dem Bett steht, anschaut. Er setzt sich wieder auf und nimmt diese in die Hand und beginnt, langsam an den Saiten zu zupfen bis er eine Melodie findet und summt leise dazu. Pauli, der aus dem Bad kommt, bleibt im Rahmen stehen und betrachtet seinen Freund, wie er da mit geschossenen Augen sitzt und spielt.
Als Lauri leise anfängt, einen Text dazu zu singen, fühlt Pauli eine ihm unbekannte Gänsehaut den Rücken langsam hochkrabbeln. Es breitet sich am ganzen Körper aus und so steht er minutenlang Lauri anstarrend da, bis seine Lebensgeister wieder erwachen und er langsam in den Raum geht. Abrupt hört Lauri auf zu spielen und Pauli sieht erschrocken zu ihm.
„Mach weiter!!“ fiept er und schlägt sich dann erschrocken die Hand vor den Mund. Lauri, dessen Blick noch verhangen ist, lächelt leicht und beginnt wieder zu singen und zu spielen. Nachdem er noch „Nothing else matters“ zu seinem Besten gegeben hat, stellt er seine Gitarre liebevoll zur Seite und schaut nachdenklich zu Pauli, der mit geschlossenen Augen auf seinem Bett liegt.
„Schläfst du schon??“ hallt seine Frage durch den Raum. Gespannt schaut Lauri zu seinem Kumpel und knabbert nervös an seiner Unterlippe. Normalerweise singt er immer heimlich und wurde dabei noch nie überrascht.
„Nein…ich hab nur…Lauri, du solltest singen!!“ meint dann Pauli und dreht sich zu seinem Freund.
„Ich will aber nicht im Rampenlicht stehen…ich bin zu klein, sie werden mich auslachen und…“
„…du wirst sie mit deiner Stimme einfach begeistern!!“ beendet Pauli seinen Satz und legt sich nun endgültig hin zum Schlafen.
Lauri hindessen findet in dieser Nacht kaum Schlaf, zu viele Sachen gehen ihm durch den Kopf. Erst als die Sonne schon aufgeht, fällt er in einen unruhigen Schlaf.

„Das wirst du mir jetzt nicht glauben, aber ich habe gestern voll die Gänsehaut bekommen!!“ sagt Pauli zu Eero, als die Beiden zum Proberaum laufen.
„Wieso, habt ihr wieder Horrorfilme geschaut??“
„Nee, als ich gestern aus dem Bad kam, saß Lauri auf seinem Bett mit der Gitarre und hat gesungen!! Du glaubst nicht, was der für eine Stimme hat…die is so voll…woooooooow!!“ noch immer beeindruckt erzählt Pauli Eero alles und beide sind sich einig, dass sie keinen Sänger, sondern einen neuen Drummer brauchen.

„Lauri, das ist Janne. Janne, das ist Lauri!!“ stellt Sami seinen Bruder vor und Lauri schüttelt kurz die Hand von Janne.
„Also, ich weiß jetzt nicht, was du schon alles weißt…“ fängt er leise an und schiebt seine Sonnenbrille zurecht.
„Nur, dass ihr noch wen in eurer Band braucht.“ Meint Janne ruhig und begrüßt dann Eero und Pauli, die gerade den Proberaum betreten.
„Ok, was kannst du denn besonders gut?? Weil wir ja eigentlich einen Sänger suchen, allerdings hoffen wir, dass das Lauri macht, weil er kann echt am Besten singen von uns!!“ mischt sich Eero ein.
„Oh, ich bin Drummer…hat das Sami nicht gesagt??“ mit einem Blick auf seinen Bruder, der entschuldigend die Schultern hebt, setzt sich Janne hinter das Drumset und beweißt sein Können, so das selbst Lauri gestehen muss, dass er das nicht erreicht. Auch Eero und Pauli sind beeindruckt und zu Dritt ziehen sie sich zur Beratung zurück. Nach einem, für Janne unerträglich langem Gespräch, kommen sie zurück und Lauri stellt sich vor Janne.
„Herzlichen Glückwunsch!! Du hast den Posten!!“ mit einem leichten Unterton reicht er Janne die Hand und doch weiß er, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Gemeinsam proben sie erstmal, wie sich die Instrumente zusammen anhören, während Lauri schon die ersten Songideen im Kopf hat.

15. Kapitel

Leise Musik dringt an mein Ohr, so dass ich langsam die Augen öffne. Ich liege alleine in einem großen Bett, welches mit Sicherheit nicht meines ist. Verwirrt drehe ich meinen Kopf leicht und erblicke ein Red Hot Chili Peppers – Poster. Das ist ganz bestimmt nicht mein Zimmer. Als ich mich erhebe, fühlt sich mein Kopf an, als sei da einer mit dem Presslufthammer unterwegs. Stöhnend setze ich vorsichtig einen Fuß auf den Boden und greife an meinen Kopf. Mit Erschrecken stelle ich fest, das ich in Klamotten geschlafen habe. Als der zweite Fuß auch Stand findet, versuche ich mich zu erheben, falle jedoch wieder zurück.
„Moah…nie wieder Alkohol!!“ seufze ich, als ich wieder sitze.
„Das sagt jeder und doch trinken sie alle!!“ höre ich es neben mir und zucke erschrocken zusammen.
„Guten Morgen…oder besser: Mittag!“ Aki zeigt mir ein strahlendes Lächeln und ich versuche noch einmal den vergangenen Abend zu rekapitulieren.
„Wir haben aber nicht….“ Fange ich an und er schüttelt den Kopf.
„Nein, du warst so dicht, dass du gleich geschlafen hast und ich hab es mir nicht getraut, dich auszuziehen, deswegen hast du auch noch alles an.“
Ich schaue an mir herunter und sehe, dass meine Sachen so ziemlich zerknittert sind, doch das ist mir lieber.
„Danke…ich werd dann mal…also…naja, machs gut!!“ langsam stehe ich auf und gehe mit wackeligen Beinen zur Tür.
„Und was ist mit deinen Schuhen??“
„Oh, die hätte ich…danke!“ ein schüchternes Lächeln an Aki und ich stolpere aus dem Raum. Vor der Tür lehne ich mich kurz an die Wand um einmal tief durchzuatmen und dann gehe ich in mein Zimmer. Tanja liegt noch im Bett und schläft friedlich, so dass ich erstmal ins Bad verschwinde.
Nach einer erholsamen Dusche und mit frischgeputzten Zähnen komme ich zurück, doch es hat sich nichts verändert. Deswegen hole ich mir Unterwäsche, meine Haushose und ein Rippshirt, ziehe meine FlipFlops an und gehe erstmal in den Essensraum, wo schon das Mittagessen bereitsteht. Als ich die Küchenfrau finde, frage ich sie höflich, ob ich nicht noch etwas vom Frühstück bekommen kann und sie zeigt mir lächelnd den Weg zum Kühlschrank. Frau Koskinen ist das Herz des Hauses, ohne sie würden hier einige das Wochenende hungern müssen. Als ich das Tablett für Tanja und mich hergerichtet habe, stellt sie mir noch eine Kanne Kaffe dazu, so dass ich sie erstmal dankbar umarme. Dann balanciere ich vorsichtig das Tablett aus der Küche und trage es hoch zu uns.
Als ich eintrete, sehe ich, das Tanja auch schon wach geworden ist zwinkere ihr zu.
„Guten Morgen meine Süße!! Ich habe uns Frühstück organisiert!“ lächele ich ihr zu und stelle das Tablett auf den Tisch.
„Guten Morgen…wie geht’s dir??“ besorgt schaut sie mich an.
„Danke, ich…mir geht’s gut. Zumindest jetzt!!“
„Hat er dir was getan??“
„Aki! Nein…“ protestiere ich und schaue sie entsetzt an.
„Aber wieso?? Ach, du hattest deinen ersten richtigen Kater.“ Lacht sie dann und ich stimme mit ein.
„Ja…und mein Schädel fühlt sich noch immer dumpf an.“
„Das vergeht auch wieder. Habt ihr…also…ich meine…“ beginnt Tanja dann und ich weiß sofort, was sie meint.
„Nein, haben wir nicht, er hatte nur einen Arm um mich gelegt, mehr nicht und das auch nur im Schlaf!“ ihr enttäuschtes Gesicht vermag ich im Moment nicht zu deuten, doch ich gehe auch nicht weiter drauf ein.

Als es an der Türe klopft, rufen wir beide „herein“ und vor uns steht Majia.
„Sanna, komm, wir müssen los!! Oder hast du das vergessen?? Wir müssen nach Oulu, die warten alle nur auf dich!!“
„Scheiße, des habsch vergessen!! Maus, wir sehen uns dann ja erst morgen…ich hab dich lieb und viel Spaß bei deinen Jungs!!“ ich umarme Tanja herzig, schnappe meine Tasche und renne zusammen mit Majia zum Bus. Dort angekommen darf ich mir noch eine Schelte von Frau Malinen abholen und das dumme Grinsen von Jonna muss ich auch ertragen. Glücklicherweise ist aber Pekka nicht dabei, sonst wäre ich gleich wieder ausgestiegen.
Frustriert stecke ich mir meine Kopfhörer in die Ohren und schaue müde aus dem Fenster.
Immer wieder dieselben Bilder. Kleine Ortschaften mit paar Häusern, auf den Landstraßen war kaum einer unterwegs und immer wieder durch Wälder an Seen vorbei. Ich ertappe mich dabei, wie meine Gedanken immer wieder zu Aki und den gestrigen Tag wandern und wenn ich daran denke, dass er seinen Arm um mich gelegt hatte, verspüre ich ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch. Ein leichtes Lächeln schleicht sich auf meine Lippen und ich drehe mich vom Fenster weg.
Die Prinzessinnen haben schon wieder ihre Köpfe zusammengesteckt und lästern, was mich nicht sonderlich interessiert, bis Sousa, eine von denen, auf mich zukommt.
„Sag mal, stimmt es, dass du heute bei dem Langweiler geschlafen hast?? Hast wohl keinen anderen abbekommen??“ fragt sie mich und ich schaue sie erstmal perplex an.
„Na, du wurdest dabei beobachtet, wie du aus seinem Zimmer kamst und so…“
„Erstens: er heißt Aki. Zweitens ist er kein Langweiler und Drittens kann das euch egal sein, zumindest hat er mehr auf den Kasten wie zum Beispiel die Weichbirne Pekka!!“ am liebsten hätte ich ihr was angetan, doch ich drehe mich wütend weg und drehe meinen MP3-Player lauter.

Als wir in Oulu ankommen, ist die Stimmung nahe dem Gefrierpunkt, doch ich sehe es nicht ein, dass hier meine Freunde beleidigt werden. Lustlos trotte ich den Anderen in die Kabinen hinterher und ziehe mein Trikot an. Die Aufwärmübungen mache ich auch nur halbherzig, mir ist alles egal.
Die Zuschauerränge füllen sich und auch die gegnerische Mannschaft betritt das Spielfeld. Während sich die sechs Leute der Startmannschaft bereitmachen, setze ich mich auf die Bank und blicke in das Publikum. Ich erkenne Pekka und seine Freunde, einige Leute des Fanclubs und wenn ich gerade richtig gesehen habe, ist auch Aki unter den Gästen. In mir breitet sich wieder dieses Kribbeln aus und ich spüre, wie es mir im Gesicht warm wird.
Immer wieder suchen meine Augen die Ränge ab, doch ich entdecke ihn nicht mehr, so dass sich ein kleiner Hauch von Enttäuschung in mir breit macht.
Gerade eben haben wir den 2. Satz verloren, so dass wir einen Entscheidungssatz spielen müssen, als sich Majia bei einer Annahme die Hand verletzt und ausgewechselt werden muss. Ich drücke sie sanft und gehe dann auf ihren Platz. Mittlerweile hat mich dann doch der Ehrgeiz gepackt und auch wenn sie die Prinzessinnen menschlich die absoluten Nieten sind, sportlich kann man sich auf sie verlassen. Gemeinsam schaffen wir es, uns den Sieg zu holen und feiern damit die gewonnene Meisterschaft.

16. Kapitel

Völlig verschwitzt aber überglücklich gehen wir in die Umkleidekabinen und duschen. Selbst die Prinzessinnen halten sich zurück, auch wenn ich darauf keinen Wert lege. Wortlos drehe ich den Hahn auf und stelle mich unter die Dusche und lasse das warme Wasser auf mein Gesicht prasseln. Meine Gedanken wandern dabei wieder zu Aki und ich frage mich, warum ich so bei ihm empfinde. Bei Pekka war dieses Gefühl nie da, obwohl er doch mein Traumtyp ist. Seufzend schäume ich meine Haare und spüle sie danach aus. Ich muss auf andere Gedanken kommen, so kann das nicht weitergehen. In mein Handtuch gewickelt hole ich meinen Fön und beginne, meine Haare zu trocknen, als die Frage rumgeht, wo wir unseren Sieg feiern wollen.
Da mir es egal war, zucke ich mit den Schultern, ohne Tanja macht so was eh keinen Spaß und irgendwie fühle ich mich auch etwas müde. Die Mehrheit beschließt in eine angesagte Rockbar zu gehen. Als wir soweit sind, bringen wir unsere Taschen in den Bus und gehen in die Innenstadt Oulus. Irgendwo dahier ist auch Tanja und bei dem Gedanken an meine Freundin, muss ich lächeln. Wie es ihr wohl gerade geht und was sie wohl macht?? Schnell hole ich mein Handy aus der Tasche und schreibe ihr eine Nachricht darüber, dass wir gewonnen haben und noch bissel feiern gehen und frage sie, wie es ihr denn geht.

Tanja

So oft habe ich HIM nun schon gesehen, doch sie sind und bleiben nun mal meine Helden und darum kann ich die Aufregung auch nicht unterdrücken.
Ich weiß gar nicht, wie oft ich gedanklich schon den Tagesplan durchgegangen bin, immer wieder panisch nach meiner Karte geschaut habe, um dann festzustellen, dass sie noch immer an ihrem Platz liegt.
Eigentlich habe ich noch ganz viel Zeit, bis ich mich auf den Weg machen muss, doch die Nervosität lässt mir keine Ruhe. Ich muss irgendwas machen. „Warum ist Sanna jetzt nicht hier, die könnte mich wunderbar ablenken“, denke ich seufzend, während ich eine weitere Runde durchs Hotelzimmer drehe.
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich erst in 4 Stunden an der Halle sein muss. Zigaretten habe ich auch keine mehr, also muss ich mich anders beschäftigen.
Ich gehe nochmals zu meinem Kleiderschrank, dessen Türen geöffnet sind. Obwohl ich die Kleidung für das Konzert schon lange bereitgelegt habe, überlege ich trotzdem noch mal, ob die Korasage nicht doch passender wäre. Schließlich werde ich eh den ganzen Abend stehen und dann bekomme ich auch keine Atemprobleme.
Aber die sieht nicht so gut mit dem langen Rock aus, somit verwerfe ich den Gedanken sofort.
Wieder ein Blick auf die Uhr, es sind gerade mal 4 Minuten vergangen.
Bevor ich aber weiter nur sinnlos hier herumtigere, kann ich mich lieber schon mal fertig machen.

Zufrieden betrachte ich mein Gesicht im Spiegel. „Perfekt“, sage ich zu mir selbst und lächle mich breit an.
Meine ohnehin schon helle Haut habe ich noch ein wenig durch Puder bekräftigt und die schwarz umrandeten Augen bringen meine Augenfarbe wunderbar zur Geltung.
Zufrieden begebe ich mich zurück zum Bett und beginne, mich anzuziehen. Der prüfende Blick im Spiegel zeigt mir, dass meine Wahl gut war. Bequem und doch schick. Den langen Samtrock habe ich mir vor ein paar Wochen schon geleistet, hatte bisher nur leider keine Gelegenheit, ihn zu tragen.
Bei meinem Glück wäre mir Lauri, der Depp, sowieso schon längst darauf getreten und das Spielchen hatten wir ja vor kurzem erst.

Nun sind es nur noch 3 Stunden bis zum Einlass und ich schlüpfe in meine Plateaustiefel. „Wie es Sanna wohl gerade ergeht?“ denke ich. Schließlich ist das ein wichtiges Spiel und bisher haben wir solche Ereignisse immer zusammen erlebt. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, eine solche Freundin zu haben.
Fertig angezogen, packe ich meine Handtasche. Portmonee, Handy, Schlüssel, Geld habe ich auch eingesteckt, die Karte wird sicher verstaut. Nun bin ich wirklich fertig.

Ich schließe die Türe hinter mir und gehe zum Auto. Mit den Schuhen kann ich aber doch unmöglich fahren, also greife ich nach meinem Handy und wähle Akis Nummer. Soll der mich doch bringen. Mit dem Fuß tippelnd lausche ich dem Tuten, doch es geht niemand ran. Wo der sich wohl rumtreibt?
Also gut, Planänderung. Ich fahre also mit der Bahn, so kann ich heute Abend auch etwas trinken.

Die 2 Stunden Wartezeit bis zum Einlass haben sich wie Kaugummi gezogen, doch nun bin ich endlich in der Halle. Das Gedränge der ersten Reihe erspare ich mir großzügig und habe mir daher einen Platz an der Bar gesichert. Mit einem Getränk in der Hand warte ich auf den Beginn des Konzertes und wenn ich daran denke, kommt schon wieder dieses Kribbeln in mir hoch.

In dem Moment, da die Lichter ausgehen, erreicht mich eine SMS. Ein kurzer innerlicher Kampf mit mir, dann überfliege ich das Geschriebene. Sanna, sie haben das Spiel gewonnen. Ein Lächeln breitet sich in meinem Gesicht aus, doch dann starre ich wie gebannt zur Bühne, wo meine Helden auftauchen.
Linde spielt hingebungsvoll den Beginn von „Buried alive by love“ und Ville schreitet majestätisch zum Mikrofon. Nun kann ich mich nicht mehr halten und gröle lauthals jedes einzelne Wort mit.

17. Kapitel


Zusammen sitzen wir in dieser Bar und mittlerweile haben sich auch die Fans und Freunde der Andern eingefunden, so dass der Geräuschpegel extrem hochliegt. Müde sitze ich in einer Ecke und starre auf eines der Plakate ohne es auch nu im Geringsten wahrzunehmen.
Plötzlich wird neben meinem Glas ein anderes abgestellt und mir setzt sich jemand gegenüber. Als ich aufblicke, erkenne ich Pekka.
„Was willst du??“ frage ich ihn genervt??
„So, ich bin also eine hohle Weichbirne??“ fragt er mich wütend.
„Ja, finde ich!!“
„Und wieso das auf einmal??“
„Ganz einfach: dir geht es nicht um wahre Gefühle, sondern nur darum, wie du am Besten dastehst und wie dich die Mädels finden!!“ platze ich heraus und hätte mir am Liebsten auf die Zunge gebissen.
„Na wieso?? Du stehst doch auch auf mich!!“
„Das habe ich…aber mittlerweile habe ich hinter deine Fassade geblickt und da ist nix!!“ ich will aufstehen, doch er drückt mich in zurück.
„Meinst du?? Ich kann dir zeigen, wie viel da ist!!“ bei seinem wütendem Gesichtsausdruck wird es mir so langsam mulmig zu mute, doch sein Schatten kommt schon wieder zu uns.
„Darling, lass sie in Ruhe!! Sie ist vielleicht auch nur eifersüchtig, weil du dir den Spaß mit ihr erlaubt hast!!“ säuselt sie in sein Ohr und ich kann mich endlich erheben und gehe zu Majia, die mit ihre lädierten Hand, die mittlerweile fachmännisch verbunden wurde, bei Frau Malinen und zwei anderen Mädels sitzt.
„Ach Sanna. Schön das du da bist. Hat doch heute wieder ganz gut geklappt. Ich hoffe das war nur eine Phase, bedenke bitte, im Juli sind die großen Leichtathletikmeisterschaften. Das ist in 5 Wochen!!“
„Ja, aber wir haben ja in zwei Wochen dann Ferien, da bin ich dann wieder ausgeruht. War wohl doch zuviel für mich in letzter Zeit.“ Murmele ich und frage Majia, wie es ihr so geht.
Wir unterhalten uns gerade angeregt über einige Bands die wir mögen, als sie mich grinsend anstupst und hinter mich zeigt.
„Also wenn da mal einer nicht verliebt ist!!“ flüstert sie noch leise, bevor sie aufsteht und mich irritiert zurücklässt.
Langsam drehe ich mich um und erblicke Aki, der an der Bar steht und auffällig unauffällig die Reklame liest. Ein kleines Lächeln umspielt meine Lippen, als ich mich ebenfalls erhebe und zu ihm laufe. Doch bevor ich ihn erreiche, stellt sich Pekka vor mich, der schon ziemlich angetrunken ist und pöbelt mich an.
„Na…hascht disch wüder beruhischt?? Weischt doch, isch allesch nur ein Schpaß!!“ sein saurer Atem verschlägt mir glatt die Luft und ich will mich angewidert wegdrehen, doch er hält mich am Kinn fest.
„Denk ja nischt dran!! Wir klären dasch jetzt!!“ verzweifelt versuche ich von ihm wegzukommen, doch da mittlerweile das Lokal sehr gut gefüllt ist, bliebt der erhoffte Erfolg aus. Wo ist sein Schatten, wenn man ihn mal braucht??
„Sie sind hinten, sie werden dir nicht helfen!!“ knurrt er mir leise zu und ich spüre, die Tränen in mir aufsteigen.
„Lass mich los!! Geh zu deiner Freundin oder sonst wohin, aber lass mich in Ruhe!“ stoße ich zwischen zusammengepressten Zähne hervor, doch alles was ich höre ist ein schmutziges Lachen.
„Nicht, bevor du mir nicht sagst, wie sehr du mich magst!!“
„Ich glaube, da kannst du lange auf eine Antwort waren!“ einen Momentlang stellen sich meine Nackenhärchen auf, doch als ich meinen Blick hebe, schauen mich zwei warme blaue Augen an.
„Aki…“ seufze ich.
„Ach gugge einer an…na Jesus, was verschlägt dich denn hierher?? Oh, ich vergaß, sie ist ja deine Freundin!!“ leicht hämisch grinsend lässt er mich los und Aki zieht mich zu sich. „Na, wenn dir der Langweiler besser gefällt…brauch ich mich auch ned wundern!!“ meint er noch, bevor er zu seinen Kumpels geht, die am anderen Ende der Bar auftauchen.
„Danke…ich weiß nicht, was in ihn gefahren ist.“ Murmele ich leise zu Aki und blicke beschämt zu Boden. Wieder spielt mein Magen verrück und meine Wangen fühlen sich total heiß an.
„Komm, lass uns setzten! Tolles Spiel heute, Glückwunsch!“ sanft führt Aki mich zu zwei Barhockern und ich bin erstaunt darüber, dass ich an der Stelle, wo er mich leicht berührt hat, ein leichtes Kribbeln verspüre.

18. Kapitel

„Also habe ich vorhin doch richtig gesehen? Hast dich unter die Zuschauer gemischt!“ lache ich dann leise, als mir Akis Bemerkung so richtig in den Sinn kommt.
„Na, das letzte Spiel der Saison darf man doch nicht verpassen!“ lacht auch er und zeigt dabei seine wunderschönen weißen Zähne.
„Stimmt, aber warst du denn schon mal bei einem unserer Spiele??“ fragend schaue ich über meinen Glasrand ins sein Gesicht, das soeben von einem leichten Rot angehaucht ist.
“Ja, ich war fast bei jedem Spiel.“ Gesteht er leise und in mir fahren meine Gefühle gerade Achterbahn.
„Oh!“ ist alles, was ich hervorbringen kann und dann schauen wir beide erstmal verlegen aneinander vorbei.
„Hast du vielleicht Lust auf einen Spaziergang?? Oulu hat einen wunderschönen Hafen und ich muss ehrlich gesagt mal an die frische Luft!“ frage ich ihn dann schüchtern und nach seinem Gesichtsausdruck ist er genauso überrascht wie ich.
„Klar, gerne.“ Schnell bezahlt er die Getränke, was mich wieder verlegen macht und zusammen gehen wir aus der Bar. Von den Anderen kann ich keinen erblicken, hoffentlich warten sie dann auf mich.
Gemütlich laufen wir nebeneinander durch die Innenstadt Oulus und auf der Promenade setzen wir uns auf eine Bank.
„Wie war das bei dir früher an der Schule?“ frage ich ihn, nachdem ich ihm von meiner Kindheit in Lahti und meinen Erlebnissen erzählt hatte.
„Och, in Espoo war es schön. Als Kinder haben Tanja und ich immer zusammen irgendwas verzapft und Spaß gehabt. Als wir dann Teenager wurden, haben wir uns etwas auseinander gelebt. Sie hatte dann ihre Freundin Noora und ich hing mit den Jungs aus dem Verein rum. Damals war es irgendwie noch einfach.“ Meint er gedankenverloren und mir brennt es in den Fingern, ihn danach zu fragen, was sich geändert hat, doch irgendwas in mir hält mich zurück.
„Hast du noch Kontakt zu deinen Freunden von damals?“
„Nein, nur mit Eija. Er hat mir damals auch das Drummen beigebracht.“ lächelt er und seine Augen beginnen zu strahlen.
„Warum darf das eigentlich Tanja nicht wissen??“ frage ich neugierig.
„Naja, sie kann es schon wissen, aber sie denkt, dass ich nur einem Hirngespinst hinterher renne. Ich würde gerne mal in einer Band spielen oder so.“ nachdenklich reibt sich Aki über die Nase und das sieht so knuffig aus, dass ich mir ein Lächeln nicht verkneifen kann.
„Ganz Unrecht hat sie ja nicht. Es gibt einfach zu viele Bands schon!“ eine Strähne hinter mein Ohr legend schaue ich ihn an.
„Aber keine, wo ich der Drummer bin!“ frech grinst er mich an und dreht dabei seinen Kopf so, dass sich unsere Nasenspitzen fast berühren. Einen Moment sitzen wir uns gegenüber und blicken dem Anderen in die Augen.
„Ok, wir sollten wohl langsam wieder zurückgehen!!“ räuspere ich mich und stehe langsam auf. Aki sitzt noch kurz da und folgt mir dann langsam.

Als wir auf den Parkplatz vor der Halle ankommen, bleibe ich erschrocken stehen.
„Wo ist der Bus??“
„Ja, sieht wohl so aus, als wären sie ohne dich gefahren!!“ meint Aki locker und ich drehe mich zu ihm um.
„Toll, und wie soll ich jetzt deiner Meinung nach Jyväskylä kommen?? Ich meine, ich weiß ja noch nichemal, wo Tanja ist. Sonst könnte ich mit ihr fahren!“ niedergeschlagen lasse ich mich auf den Boden sinken und verschränke meine Arme über meinen Knien.
„Und wie wäre es, wenn die junge Frau mit dem Taxiunternehmen Hakala fährt?? Ich kann ihnen zwar nicht versprechen, solch anregende Konversation zu bieten wie meine Schwester, aber langweilig wird’s nicht!“ er geht vor mir in die Knie und schaut mich mit einem strahlenden Lächeln an. Kurz überlege ich, ob ich ihn dafür hauen soll, doch dann muss auch ich lachen.
„Dir macht das Spaß oder??“
„Naja, da gibt es schon noch andere Sachen, aber so für den Anfang ist es ok!“
„Aki Hakala, so kenn ich dich gar nicht!“ ich versuche ihn leicht zu hauen, doch er hält meine Hand locker fest.
„Du kennst vieles noch nicht!“ raunt er leise, als er mit seinem Kopf näher kommt. Angespannt halte ich den Atem an und warte, was als nächstes passiert.
„Aber das wirst du schon selbst rausfinden müssen…und übrigens, vergiss das Atmen nicht!“ lacht er, bevor er zu seinem Auto trottet.
„Moah…!“ ist alles, was mir einfällt und irgendwie fühle ich mich gerade etwas enttäuscht. Hatte ich echt erwartet, er würde mich küssen??

19. Kapitel

„Wie lange spielst du jetzt eigentlich schon Volleyball??“ fragt Aki leise, als wir uns auf der Autobahn befinden.
„Hmm, ich bin jetzt 18…also seit knapp 6 Jahren.“ Rechne ich nach und nicke dann.
„Wow, ich mache das mit der Leichtathletik noch nicht so lange. Eigentlich hat es aus Frust heraus begonnen.“ Ich blicke ihn interessiert an und bemerke, wie er leicht traurig wird.
„Wieso Frust??“
„Es war wegen Noora. Also die Freundin von Tanja!“ kurz dreht er seinen Kopf und schaut mich an. „Ich habe damals für sie geschwärmt und naja, sie hat es wohl mitbekommen und sich dann darüber lustig gemacht. Doof nur, dass ich das auch gehört habe.“
Er seufzt und ich lege sachte meine Hand auf seinen Arm. Warm fühlt sich seine Haut an und in mir macht sich wieder die mittlerweile bekannte Wärme breit.
„Das tut mir leid!“ meine ich aufrichtig, doch er lächelt nur müde.
„Das muss es nicht. Damals war ich erst 14, also nichts Weltbewegendes.“
„Ich finde schon. Immerhin warst du das erste Mal so richtig verliebt und dieses Gefühl wurde mit den Füßen getreten. Es ist, als ob dir jemand den Boden unter den Füßen wegzieht und du glaubst, es gibt kein Morgen mehr!“ gedankenverloren blicke ich aus dem Fenster, wo man mittlerweile den Sonnenuntergang beobachten kann.
„Bei dir ist es Pekka richtig??“ fragt er vorsichtig und ich nicke.
„Aber eigentlich ist es schon vorbei, ich bin halt nur enttäuscht irgendwie.“ Ich versuche zu lachen, doch es will mir nicht glücken.
„Hei...glaub mir, ohne ihn bist du besser dran. So jemand wie du, wird von solchen Leuten nur enttäuscht!“
„Jemand wie ich??“ fragend schaue ich ihn an.
„Ja, du bist mir damals schon aufgefallen, als du das erste Mal auf diese Schule kamst.“ Er lächelt und ich erinnere mich zurück.

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„Sanna, bitte!! Wie oft müssen wir dir das noch erklären??“ entnervt rollt meine Mutter ihre Augen. Mein Vater holt schon die Koffer aus dem Kofferraum und ist in Gedanken schon bei seinen Ausgrabungen.
„Warum kann ich nicht in Helsinki bei Mikko bleiben?? Hier kenne ich doch keinen.“ Versuche ich meine Mutter noch einmal umzustimmen.
„Junge Frau, du bist 16. Glaubst du echt, wir können dich mit deinem gerade mal zwanzig Jahre alten Bruder alleine lassen?? Außerdem geht Mikko jetzt nach Tampere. Du bist hier in guten Händen und wirst sicherlich bald Anschluss finden. Kopf hoch, jetzt wo wir so eine Chance bekommen haben. Ich liebe dich!“ sie drückt mich und ich kann noch einmal ihr Parfum riechen, welches sie in irgendeiner der Edelboutiquen gekauft hat.
Zusammen mit meinen Eltern laufe ich auf das Portal zu und dort sehe ich auch schon die ersten Internatsbewohner sitzen. Allesamt aus reichem Hause, doch keiner beachtet mich wirklich. Naja, ich musste ja auch meinen Eltern zuliebe einen Hosenanzug anziehen.
Als wir gerade die Treppen hochgehen, kommen uns einige Mädchen entgegen. Eins fällt mir sofort durch ihr Aussehen auf. Meine Mutter neben mir zieht scharf die Luft ein, doch ich kann nur lächeln.
Schwarz, soweit das Auge reicht, außer die pinken Strähnen im Haar. Selbst ihre Augen haben einen schwarzen Glanz, aber blicken mich keineswegs böse, sondern eher mitfühlend an. Daneben stehen ein Mädchen, was man vom ersten Blick in die Schublade „Zicke“ stecken kann und dahinter wohl ihr Gefolgsstab.
„Sanna komm jetzt!“ fordert mich meine Mutter auf und ich folge ihr seufzend.
Im Sekretariat begrüßt uns eine Frau mittleren Alters freundlich und bittet uns Platz zu nehmen. Ich blicke mich neugierig um und entdecke mehrere Auszeichnungen, Pokale etc. fein säuberlich in Vitrinen aufgestellt.
Als dann eine etwas rundlichere Frau den Raum betritt, stehen meine Eltern auf und meine gute Erziehung verbietet es mir, trotzig sitzen zu bleiben.
„Hallo, ich bin Frau Hainolen und die Internatsvorsteherin. Willkommen in unserem Hause!“ sie begrüßt erst meine Eltern und dann mich. Danach werden wir in einen anderen Raum gebeten, wo dann alle Einzelheiten geklärt werden. Ich erfahre, dass ich zu einer Tanja Hakala ins Zimmer komme, die schon seit einem Jahr hier wohnt.
Stunden später wie mir scheint, zeigt uns Frau Hainolen die Räumlichkeiten und ich darf mein Zimmer zum ersten Mal betreten. Die rechte Seite ist vollkommen bewohnt, an den Wänden sind Poster von HIM und anderen Bands, an dem Kleiderschrank hängen mehrere Samtkleider und ich bin mir schon jetzt ziemlich sicher, dass ich Tanja vorhin auf der Treppe getroffen habe.
Meine Seite des Zimmers ist noch völlig kahl. Ein normales Bett steht unter einem Fenster, daneben ein Schreibtisch mit Stuhl und ein normaler Kleiderschrank direkt neben den von Tanja.
„Kann man seine Zimmer gestalten, wie man möchte??“ in meinem Kopf haben sich schon mehrere Pläne entwickelt, wie ich es mir hier doch recht gemütlich machen kann.
„Ja, das können sie. Das macht jeder.“ Freundlich blickt mich Frau Hainolen an und ich bin schon etwas zuversichtlicher. „Ok, dann bringen wir mal deine Sachen hoch, damit du noch auspacken kannst. Gegen sechs gibt es dann Abendessen.“
Gesagt, getan. Mein Vater holt zusammen mit mir meine Sachen, während meine Mutter noch einige Formalitäten klärt. Als ich mit meinem Vater die zweite Etage erreiche, kommt ein Junge uns entgegengeschlurkst, der ziemlich verträumt in der Gegend schaut. Lächelnd gehe ich an ihm vorbei und bringe meine Taschen nach oben.
„So, das wäre dann erstmal alles. Mikko bringt dir dann in der nächsten Zeit noch den Rest, wenn er nach Tampere fährt.“ Mit einem Kuss verabschiedet sich mein Vater und auch meine Mutter küsst mich noch mal. „Sei artig, nicht dass uns irgendwelche Klagen kommen!!“
„Ja. Viel Spaß bei euren Ausgrabungen und…passt auf!!“ den Klos in meinem Hals versuche ich hinunterzuschlucken, doch die Tränen steigen unaufhaltsam auf. Als sie dann aus meinem Zimmer gehen, setze ich mich auf das Bett und weine leise.

“Hei…es wird wieder!“ höre ich eine leise Stimme und blicke verwirrt auf. Vor mir steht dieses Mädchen und streicht mir sacht die Tränen vom Gesicht. „Ich bin Tanja.“
„Ich…bin…Sanna!“ mit tränenerstickter Stimme begrüße ich sie und sie setzt sich mir gegenüber.
„Du bist nun also meine Zimmerbewohnerin?? Naja, hätte auch schlimmer kommen können!“ lacht sie und ich schaue sie fragend an, während ich mir die Nase schnäuze und den Rest meiner Tränen verwische. „Du machst nicht den Eindruck, eine neue Gefolgin der Prinzessin zu werden, also sind das schon mal gute Voraussetzungen!“
Ihr Lachen steckt mich an und zusammen packten wir meine Sachen aus und gingen zum Essen.

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„Also warst du der Träumer, der mir entgegengeschlurkst kam??“ lache auch ich.
„Ja. Aber glaubs mir oder nicht, ich hab dich seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekommen!!“
„Ach komm!!“ versuche ich zu scherzen, weil ich mit solchen Komplimenten nicht umgehen kann.
„Nein ehrlich!! Schau mal, da ist ein Restaurant, wollen wir dann erstmal zu Abend essen??“ lenkt er ab und ich nicke dankbar.

20. Kapitel

„Also, wo waren denn deine Eltern da schon überall zu Ausgrabungen??“
Während wir auf unser Essen warten, unterhalten wir uns angeregt weiter und versuchen, das jeweils Positive in den Jobs unserer Eltern zu sehen.
„Ägypten, Deutschland, Italien, Mexiko und jetzt sind sie in Peru oder so.“ erkläre ich ihm und er nickt anerkennend mit dem Kopf. „Früher, als wir noch klein waren, haben sie uns mitgenommen. Da war meist noch eine Kinderfrau mit, aber als wir dann in die Schule kamen, ging das nicht mehr. Sie waren dann einige Jahre zu hause, bzw. ist nur mein Vater auf Ausgrabungen geflogen, während meine Mutter bei uns blieb. Trotzdem hatten wir noch bis ich 13 war jedes Jahr ein Au Pair – Mädchen bei uns.“ Seufze ich und spiele verlegen mit der Serviette.
„Naja, wir hatten auch mehrere Kindermädchen, weil unsere Eltern auch ständig bei irgendwelchen Meetings, Anlässen oder so waren. Das hat Tanja und mich richtig zusammengeschweißt. Immer war irgendwas los. Entweder gaben unsere Eltern Parties oder sie gingen zu welchen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir groß mit ihnen was gemacht haben.“
„Und wie is das mit Urlaub oder so gewesen??“
„Naja, früher, als wir kleiner waren, sind wir zur Oma gefahren. Später dann mit irgendwelchen Jugendreisen nach Schweden, Norwegen oder auch Russland.“
„Das ist echt doof!“ murmele ich und bin doch froh, als das Essen kommt.
Gemeinsam reden wir die nächste halbe Stunde kaum ein Wort, sondern genießen unser Essen. Später sitzen wir da und trinken ein Glas Rotwein.
„Ich rufe dann mal im Internat an, dass sie nicht mit uns rechnen sollen.“ schlage ich vor und Aki schaut mich irritiert an.
„Na, wir haben beide was getrunken, da können wir nimmer fahren.“ Lächele ich ihn an und grinst schief.
„Stimmt. Das habe ich gar nicht bedacht. Sorry.“ Etwas zerknirscht schaut er mich an und ich schüttele den Kopf.
„Ist nicht so schlimm. Ehrlich gesagt, will ich auch noch nicht nach Hause! Wir können ja dann mal schauen, ob wir ein Hotel finden.“
„Ok, aber dafür bezahle ich dein Essen mit!“
„Nee, das brauchst du doch nicht.“ Versuche ich abzuwehren, doch er will davon nix hören.
„Danke.“ Flüstere ich.

Nachdem er bezahlt hat gehen wir aus dem Restaurant und laufen etwas durch die Stadt, auf der Suche nach einem Hotel. Als wir fündig werden, fragen wir an der Rezeption, ob noch ein Zimmer frei wäre und als die Dame bejaht, lassen wir uns den Schlüssel geben. Bevor Aki reagieren kann, lege ich meine Geldkarte auf den Tresen und bezahle die Rechnung. Danach gehen wir zum Aufzug und fahren zu unserem Zimmer. Dort angekommen, setze ich mich aufs Bett und rufe im Internat an, während Aki seine Nachrichten überprüft.
„Oh, Tanja hat mich angerufen.“ Stellt er verblüfft fest und versucht sie zurück zurufen. Doch sie geht nicht an ihr Handy.
„Naja, sie wird wohl noch auf diesem Konzert sein. Es ist ja…obwohl, es ist gleich elf.“ Mit Blick auf meine Uhr sehe ich, dass es schon so spät ist.
„Echt?? Ich habe das gar nicht mitbekommen. Es ist noch so hell draußen.“ Meint auch Aki und setzt sich neben mich aufs Bett. „Und, was machen wir noch??“
„Keine Ahnung, mir ist eigentlich schon wie schlafen, das Spiel hat ganz schön geschlaucht.“
Etwas mulmig ist mir doch zumute, als mir Akis Nähe, das große Bett und so bewusst werden.
„Na, dann lass uns noch was anschauen und dann schlafen.“ Fröhlich springt er auf und holt sich die Fernbedienung.
„Ok, ich geh mal schnell ins Bad, such du was Schönes raus!“ fluchtartig verlasse ich das Zimmer und lehne mich im Bad erstmal an die Türe. Mit einigen Atemzügen versuche ich mein Herzschlag zu beruhigen, doch nur mit mäßigem Erfolg. Neugierig blicke ich mich dann im Badezimmer um und sehe, dass zumindest Duschsachen und Zahnpaste und Zahnbürste vorhanden sind. Schnell stelle ich mich unter die Dusche und als ich wieder hervorkomme, stehe ich vor einem neuen Problem. Ich habe gar keine Schlafsachen, geschweige denn Wechselsachen mit. Nachdenklich auf meiner Unterlippe kauend, ziehe ich meine Unterwäsche noch mal an und wickele mich in einen der Bademäntel. Dann putze ich schnell Zähne und getraue mich trotzdem nicht so wirklich aus dem Bad zu gehen. Doch bevor Aki sich noch Sorgen macht, straffe ich die Schultern, nehme meine Jeans und meine Top und gehe zurück.
Er hat es sich schon bequem auf dem Bett gemacht und schaut TV.
„Was kommt denn??“ frage ich, als ich mich neben ihn setze, immer darauf bedacht, dass der Bademantel nix freigibt.
„Keine Ahnung, aber das ist noch das Beste.“ Lacht er und ich muss bei seinem Anblick schlucken. Konnte er nicht mit dem Ausziehen warten, bis ich schlafen??

21. Kapitel

„Aki?“
„Hmm?“
„Kannst du dich kurz wegdrehen??“ ein wenig unsicher blicke ich ihn an und er nickt.
Schnell ziehe ich meinen Bademantel aus und schlüpfe unter die Decke.
„Ok, kannst die Augen wieder aufmachen.“ kichere ich dann leise, weil er zu komisch aussieht. Mit der Decke bis zum Kinn sitze ich neben Aki und schaue mehr oder weniger den Film an. Eigentlich ist nur mein Blick auf den Bildschirm gerichtet, alles andere ist bei Aki. Dieser lehnt lässig mit dem Rücken an der Holzwand des Bettes und schaut interessiert in den Fernseher.
„Möchtest du auch was trinken??“ fragt er mich, als er zur Minibar geht.
„Was gibt es denn??“
„Cola, Wasser, Bier, Sekt, Whisky, Jägermeister...“ beginnt er aufzuzählen, doch ich bitte nur um eine Flasche Cola, er genehmigt sich ein Wasser.
„Wie kam es eigentlich, dass du jetzt doch nicht mit zum Konzert bist?? Ich meine, ihr habt in Oulu gespielt, da wäre es doch ein Einfaches für dich gewesen, mitzugehen.“
„Naja, erstens wussten wir nicht, dass das Spiel doch in Oulu stattfindet und dann hatte Tanja die Karte schon Einer aus dem Forum verkauft. Und mal ehrlich, mein Musikgeschmack ist das ja nicht wirklich.“ murmele ich leise und kuschele mich mehr in meine Decke. Irgendwie fühle ich mich doch unbehaglich so in meiner Unterwäsche neben Aki zu sitzen.
„Stimmt. Und wie kam es denn nun, dass ihr in Oulu gespielt habt??“
„Die Mannschaft von Oulu kam gestern erst aus dem Trainingslager oder so, deswegen haben wir hier gespielt.“ nuschele ich müde und schließe kurz meine Augen, nur um sie danach wieder hellwach zu öffnen. Irgendwie getraue ich mich nicht einzuschlafen und zwinge mich, dem Film zu folgen. Doch meine Lider werden immer schwerer und irgendwann übermannt mich der Schlaf.

Später in der Nacht werde ich durch den noch immer laufenden Fernseher wach und wundere mich. Als ich mich umdrehe, sehe ich, dass Aki im Sitzen eingeschlafen ist und mit dem Kopf auf der Brust schläft. Ich muss leicht lächeln, entnehme seiner Hand die Fernbedienung und schalte den Apparat aus. Dann rüttele ich leicht an seiner Schulter, denn es gibt nix unbequemeres, als im Sitzen zu schlafen. Unverständliches Gemurmel und ein leichter Seufzer sind aber alles, was ich ihm entlocken kann. Also entscheide ich mich für die andere Variante. Vorsichtig nehme ich seine Brille ab, lege sie auf das Nachtschränkchen und drücke dann Aki leicht von der Seite, so dass er auf die Kissen sinkt. Durch diesen Positionswechsel wacht er auf, schaut mich wie ein kleiner Maulwurf an zieht mich an sich und schläft fröhlich weiter.
Schön, er kann schlafen, ich nicht mehr. Mein Herz klopft bis zum Hals und ich bekomme kaum Luft. Ich weiß, dass ich ihm schon mal so nahe war, aber da war ich betrunken, hatte Kleidung an und habe das nicht registriert. Alle möglichen Gedanken wirbeln mir durch den Kopf und mein linker Arm schläft mir langsam ein, doch ich wage es nicht, mich zu bewegen. Plötzlich bewegt sich Aki und stößt dabei mit dem Arm an die Wand, was ein dumpfes Geräusch gibt. Erschrocken ziehe ich die Luft ein und warte was passiert.
Irritiert richtet Aki sich auf und stellt fest, dass er völlig verkehrt im Bett liegt. Durch sein ruckartiges in die Höhe schnellen, wirft er mich aus diesem und ich lande ziemlich unsanft auf dem Boden.
„Autsch“ entfährt es mir und ich stehe langsam auf.
„Sorry...“ nuschelt Aki, greift nach seiner Brille und schaltet genau in diesem Moment das Licht an. „Ich wollte dir ni...“ fängt er an, stockt mitten in seinem Satz und starrt mich mit großen Augen an.
„Ist...schon...okay!“ stammele ich und versuche mit meinen Armen irgendwie alles abzudecken. In meinem Gesicht spüre ich die Röte brennen und am Liebsten würde ich jetzt im Erdboden versinken.
„Du...du...du...bist wunderschön!“ stottert er und kommt auf meine Seite des Bettes.

22. Kapitel

„Nicht!“ erschrocken quietsche ich auf und gehe einen Schritt zurück.
„Oh“ er setzt sich zurück und mit wackeligen Beinen komme ich ebenfalls aufs Bett.
„Sorry noch mal...wollte dich nich...naja ...du weißt schon.“
„Ist schon...ok!“ schnell verkrieche ich mich wieder unter der Decke und winkele die Beine an. „Es ist nur...naja...es hat mich noch keiner so gesehen.“
Schweigend sitzen wir nebeneinander und hängen unseren Gedanken nach.
„Echt??“ kommt es nach einer Weile leise von Aki.
„Hmm...“
„Aber beim Sport oder beim Baden??“
„Naja, des sind Mädels und beim Baden habe ich einen Tankini an, also ned nur Tanga und BH.“

„Sieht aber gut aus!“ flüstert er und ich bekomme wieder einen roten Kopf.
Jetzt sitze ich hier mitten in der Nacht in einem Hotelzimmer, halbnackt neben Aki und rede darüber, was ich beim Baden anhabe. Leise fange ich an mit Glucksen und breche dann doch in Lachen aus, weil das einfach zu komisch ist. Erst schaut mich Aki verwirrt an, stimmt dann aber mit ein, als ihm klar wird, worüber ich lache. Und als wir uns beruhigen, muss ich mir erstmal die Tränen aus den Augen wischen.
„Wenn das Tanja wüsste, ich glaub sie wird uns nie wieder alleine irgendwo hinlassen. Da sitze ich mitten in der Nacht neben dir und erzähl dir, was ich so anhabe.“ kichere ich noch, als ich mich wieder hinlege.
„Das ist wohl wahr...aber jetzt sollten wir erstmal schlafen.“ meint Aki und legt seine Brille wieder auf das Schränkchen und schaltet das Licht aus. „Gute Nacht.“
„Gute Nacht...“ gähne ich und drehe mich auf die Seite.
„Sanna??“
„Hmm??“
„Du kannst ruhig näher kommen, ich tue schon nix!“ meint er leise und ich kann das lächeln heraushören.
„Ok“ ich rutsche von meiner Bettkante aus einen wenig zurück, doch es scheint ihm nicht genug zu sein, deswegen legt er einen Arm um mich und zieht mich zu sich.
„So ist das schon besser!“ murmelt er und ich gebe mich geschlagen.
„Schlaf gut Kleine!“ höre ich ihn noch flüstern, dann ist er eingeschlafen.

Am nächsten Tag höre ich wie durch eine Wand mein Handy und als ich die Augen aufschlage, sehe ich auch warum. Über mir liegen ein Aki und zwei Decken, die alles abdichten.
Mühsam wühle ich mich mit meiner Hand aus diesem Durcheinander hervor und suche nun nach meinem Telefon, welches sich auf dem Schränkchen neben dem Bett befindet.
„Ja??“
„Sag mal, wo bist du denn?? Und ist Aki bei dir in der Nähe?“ werde ich von Tanja begrüßt und ich muss leicht grinsen.
„Guten Morgen, ich bin noch im Bett und ja, er ist direkt neben mir!“
„Er ist...du bist...Sanna Maria Koskinen!! Jetzt sag was hier los ist! Ich bin extra zeitig aufgestanden um nach Jyväskylä zu fahren und dann bist du nicht da??“ fast hysterisch schreit sie in das Telefon und neben mir höre ich nur ein ungemütliches Brummen.
„Süße, ich ruf dich später noch mal an...“ murmele ich und klappe das Handy zusammen. Schnell lege ich es auf das Schränkchen zurück und schließe meine Augen wieder.
„Gibt’s Ärger?“
Erschrocken reiße ich meine Augen auf drehe mich zu Aki. Dabei streife ich mit meinen Lippen seine und mich durchfährt es wie ein Blitz. Bevor ich auch noch irgendwas antworten kann, drückt er mir seine verlangend auf und ich bin zu perplex, auch nur irgendwie zu reagieren.
Will ich denn überhaupt reagieren??

23. Kapitel

Warm und weich liegen seine Lippen auf meinen und mich durchströmen tausend Gedanken und meine Gefühle fahren Achterbahn. Als er zaghaft an meiner Unterlippe knabbert, öffne ich erschrocken meinen Mund. Seine Zunge, die darauf nur gewartet zu haben scheint, schiebt sich langsam dazwischen und fordert meine heraus. Ungeschickt versuche ich mich auf dieses Spiel einzulassen, breche es aber nach einigen Minuten ab. Schnell springe ich aus dem Bett und blicke Aki mit weit aufgerissenen Augen an. Unbewusst streiche ich mir mit dem Handrücken über den Mund und versuche meinen Herzschlag etwas unter Kontrolle zu bringen.
„Scheiße...“ murmele ich, als mir bewusst wird, was ich gerade gemacht habe. Aki sitzt wie geschockt auf dem Bett und weiß nicht, wie er reagieren soll. Schnell ergreife ich die Flucht und renne ins Bad. Dort lasse ich mich auf den Boden gleiten und stütze meinen Kopf mit mit meinen Knien ab. Lange sitze ich an die Türe gelehnt nur da und starre vor mich her.
„Sanna...alles ok??“ Akis brüchige Stimme dringt zu mir durch.
„Ja...nein...ich weiß nicht.“
„Machst du bitte auf??“ höre ich ihn leise durch das Holz und seine Verzweiflung ist zum Greifen nah.
Schwerfällig erhebe ich mich und öffne dann die Türe. Fast vollständig angezogen und mit einem mehr als fragenden Blick steht er vor mir.
„Sorry, das wollte ich nicht...also schon, aber naja...nicht so.“ fängt er an zu stottern und kratzt sich dabei verlegen am Kopf.
„Nee, ist ja...war ja auch mein Fehler...ich meine...ich hab da halt keine Erfahrung drinnen, ich weiß nicht, wie man sich so verhält nach seinem ersten Kuss, aber bestimmt nicht so.“ flüstere ich und schaue verlegen zu Boden.
„Deinem ersten...oh ich Trottel!“ sich leicht auf die Stirn hauend kommt er zu mir und nimmt mich in den Arm. „Das hattest du also gestern Abend gemeint?? Bitte verzeih mir, aber ich habe wohl vorhin die Kontrolle verloren.“
„Ist nicht so schlimm...lass uns dann langsam losfahren, bitte!!“ murmele ich noch, ich weiß nicht, was mit mir los ist und wie ich damit umgehen soll.

Nach einem kurzen Frühstück begeben wir uns schweigend auf dem Heimweg. Jeder hängt seinen Gedanken nach und als wir Jyväskylä erreichen, atmen wir irgendwie beide erleichtert auf.
Als wir in die Tiefgarage fahren, schnalle ich mich schon mal ab und greife nach meiner Tasche. Ordentlich parkt Aki sein Auto und dann steigen wir beide aus. Langsam laufen wir zur Treppe und irgendwie hofft jeder, dass der Andere ein Gespräch anfängt.
Auf Akis Etage angekommen bleiben wir kurz stehen, schauen aneinander vorbei und verabschieden uns recht kurz. Danach gehe ich die Treppen nach oben und werde im Zimmer von einer besorgen, aber auch wütenden Tanja erwischt. Doch als sie mich anschaut, bleiben ihr jegliche Worte im Hals stecken und sie nimmt mich in den Arm.
„Ich wollte das nicht!“ fange ich an zu schluchzen und kann gar nimmer aufhören. „Ich wollte ihn nicht verletzen!!“
„Wen verletzen?? Sanna, was ist passiert?? Und wieso warst du mit Aki unterwegs??“ sie zieht mich zum Sofa und ich erzähle ihr, wie es zu dem ganzen Desaster kam und als ich bei der Aktion vom Morgen ankomme, laufen mir die Tränen wieder in Strömen hinab.
„Ihr habt euch geküsst??“ vor lauter Überraschung greift sie nach einer Zigarette, wohl auch um das alles zu verdauen.
„Zumindest sollte es ein Kuss werden. Aber ich bin doch...ich hab doch keinen Plan von nix!!“ schluchze ich auf.
„Ihr habt euch geküsst??“ fragt sie noch mal und muss anfangen mit lachen. „Ihr hab euch echt geküsst??“
„Ja, haben wir und es war verdammt schön aber auch verdammt falsch!!“ platzt es aus mir heraus.
„Wieso falsch??“
„Weil ich...weil wir...ach ich weiß auch nicht...“breche ich resigniert ab und lasse mich auf mein Bett fallen. Dort vergrabe ich mein Gesicht im Kissen und versuche, einen klaren Gedanken zu fassen.

24. Kapitel

„Habt ihr schon gehört??“ aufgeregt kommt Eero ins Zimmer von Pauli und Lauri gestürmt. Beide sitzen mit ihren Gitarren da und üben neue Melodien.
„Was??“ desinteressiert blickt Lauri kurz auf und zupft dann wieder galant an den Saiten.
„Aki und Sanna sind über Nacht nicht nach Hause gekommen. Angeblich kamen sie auf dem Parkplatz an, als der Bus schon weg war. Da läuft doch was!!“ breit grinsend setzt sich Eero auf den Fußboden und schaut von Einem zum Anderen.
„Und wenn, was geht uns das an??“ fragt Pauli und auch Lauri schaut irritiert Eero an.
„Naja, erst schläft sie bei ihm im Zimmer, dann kommen beide nicht über Nacht nach Hause...das ist doch eindeutig!“ Eero, der dachte, er habe mal was wirklich Interessantes zum Erzählen, schaut leicht bedrückt drein.
„Das kann uns aber egal sein, wir haben mit unserer Band zu tun. Wisst ihr, das einzige Doofe an der ganzen Sache ist, das Janne in der Woche nicht da ist. Da können wir auch nicht wirklich proben.“ überlegt Lauri laut und knabbert an seiner Unterlippe.
„Na, Sami hat doch gesagt, dass er bald fertig ist. Und dann können wir richtig loslegen!!“ meint Pauli und stellt seine Gitarre ab.
„Stimmt. Was wollen wir machen?? Gehen wir in die Stadt??“ fragt Eero und alle stimmen dem zu.
Schnell haben sie ihre Rucksäcke gepackt und verlassen das Zimmer, als ihnen Aki entgegen komm.
„Moi!“ murmelt dieser und die Drei nicken ihm zu. Als sie außer Reichweite sind, zupft Eero an Lauris Shirt.
„Was??“ fragt dieser leicht genervt, denn er ahnt, was jetzt kommt.
„Der sieht aber nicht glücklich aus, ob er Ärger bekommen hat??“
„Oder er ist nicht zum Zuge gekommen!“ lacht Pauli, doch als er merkt, dass er als Einziger lacht, hört er auf.
„Wisst ihr, mir is das so was von rille...lasst uns abhauen!!“ schnauzt Lauri die Beiden an und zündet sich, als sie auf den Treppen des Portals stehen, eine Zigarette an.
„Ok, wo wollen wir zuerst hin??“ lenkt Eero ein und schaut auf die Uhr. „Los, in drei Minuten fährt der nächste Bus oder wollt ihr rein laufen??“
„Nee, ich lauf doch keine zwei Kilometer!“ brummelt Pauli und auch Lauri schmeißt seine Zigarette weg, damit sie schneller laufen können. Noch gerade so erwischen sie den Bus und lassen sich auf die Sitze fallen.
„Ich brauche neue Spraydosen, und neue Saiten...also lasst uns mal schauen, wo es was gibt.“ meint Lauri dann, als sie am Markt aussteigen.
„Ähm Lauri, heute ist Sonntag. Da wirst du kein Glück haben.“ weist ihn Pauli darauf hin und auch Eero schaut seinen Kumpel etwas verdutzt an.
„Ach verdammt...was wollen wir dann hier??“ leicht verärgert kickt Lauri eine leere Coladose über die Straße und schaut seine Kumpels an.
„Mädels aufreißen!“ kommt es einstimmig von denen und er zieht gelangweilt die Schultern hoch.
„Okay...von mir aus...“
Zusammen laufen sie zum nächsten Café und setzen sich an einen der Tische, die auf dem Gehweg aufgestellt sind.

25. Kapitel

Während Pauli und Eero die Mädels auf der Straße begutachtet und vergeblich versuchen, bei einer zu landen, hängt Lauri seinen Gedanken nach.
„Sag mal Lauri, was ist mit dir in letzter Zeit los?? Ständig bist du geistesabwesend und wenn man dich frag, ist nix!“ fragt ihn Eero, als ihm wieder Lauris Gesichtsausdruck auffällt.
„Habt ihr eigentlich schon ne Ahnung, wie wir uns nennen wollen??“
„Öhm...naja , nicht wirklich, weil wir ja auch erst seit gestern eine Band sind?? Oder hast du schon eine Idee??“ Pauli, der es aufgegeben hat, sich nach Mädels um zuschauen, nippt an seinem Kaffee und blickt auf seinen Kumpel.
„Nicht wirklich, aber irgendwie...mir brennt es in den Fingernägeln, endlich aktiv zu werden. Ich hoffe nur, dass das mit Janne auch was wird!“ aufgeregt tippt er mit seinen Fingern auf dem Tisch und summt leise eine Melodie.
„He, das klingt echt toll!! Wiederhole das noch mal bitte!“ fragt nun auch Eero aufgeregt und zusammen entwickeln sie eine Melodie.
„Habt ihr was zum Schreiben mit??“ schnell holt Pauli aus seinem Rucksack einen Zettel und einen Kuli und reicht beides Lauri. Dieser fängt an mit schreiben und als er eine Pause einlegt, schnappen sich die anderen Beiden den Zettel und lesen es durch.

„I have always been diffrent I like to be,
but every time they got something to say to me.
One day I had to be, I made a diffrent me,
but got troube next day I went school, you see.
Two big fellows , which don't much about like in me
put me in ti the games where I don't wan't wanna be.
In other words no one don't like me there.
Sometime I really care. I can't be myself.“

„Wow, das is geil!! Absolut...lasst uns in den Musikraum von der Schule gehen!! Ich will wissen, wie das mit Musik klingt!“ schnell räumt Eero das Zeug in den Rucksack von Pauli und winkt die Kellnerin heran.

Zusammen machen sie sich auf den Heimweg und als sie auf dem Internatsgelände ankommen, sehen sie, dass viele Schüler von ihrem Wochenendurlaub zurückkommen.
„Hei, wer is das denn?? ich denke, sie ist mit Aki zusammen??“ fragt Pauli, als er Sanna Arm im Arm mit einem jungen Mann die Treppe herunterkommt.
„Keine Ahnung, habe ich noch nie gesehen!“ meint Eero und Lauri schaut mit etwas zusammengekniffenen Augen auf das Paar. Doch er zwingt sich, wo anders hinzuschauen und bemerkt dabei Aki, der ebenfalls die Beiden beobachtet. Ein Moment lang denkt Lauri, das Aki zu ihnen hingeht und was sagen möchte, doch da kommt auch schon Tanja und zieht ihn weg.
„Also wenn der mal nicht verknallt ist!“ murmelt er und fängt sich dafür irritierte Blicke ein.
„Na Aki...so wie der Sanna anschaut!“ erklärt er und geht zum Portal. Schnellen Schrittes geht er zum Musikraum und öffnet die Türe.
Als sie sich an die Instrumente stellen, seufzt Eero leise auf.
„Was ist??“
„Wäre schön, wenn Janne da wäre, dann könnten wir das so richtig üben!!“
„Können wir doch! Ich kann schließlich auch Drums spielen!“ etwas patzig kommt die Antwort von Lauri, so dass Eero beschämt den Kopf einzieht. Kurz stimmen sie die Gitarren ein, während Lauri Platz nimmt und leicht auf die Drums und Highhats haut.
Danach spielen sie erstmal bekannte Songs, bevor sie sich an ihre eigenen Melodien und Texte wagen.

26. Kapitel

„Danke dass du vorbeigekommen bist und mir noch einige Sachen mitgebracht hast. Grüß du Oma bitte lieb, wenn du sie wieder siehst??“ glücklich schmiege ich mich an Mikko.
„Du sollst dich mal melden, sie machen sich Sorgen!“ meint dieser lächelnd und drückt mich.
„Ja, werde ich machen, ich kann aber nicht weg hier, du weißt doch, bald sind die Meisterschaften und da muss ich noch trainieren. Hast du schon was von den Eltern gehört?? Ich habe nur eine Karte bisher bekommen.“
„Nein, aber Oma und sie sagt, ihnen geht’s gut! So, dein großer Bruder muss aber nun los, ich will in Tampere ankommen, bevor es dunkel wird.“
„Ok, war schön, dass du da warst, habe mich sehr gefreut.“ mit leuchtenden Augen sehe ich ihn an.
„Weiß ich doch Kleines. Ach ja, deine Freundin...hat die schon einen Freund??“
„Tanja?? Nein, soweit ich weiß nicht.“
„Und du??“
„Ich??“ erschrocken blicke ich ihn an „Naja...ich weiß nicht.“ gestehe ich dann.
„Wie, meine Kleine ist verliebt?? Wer ist es??“ neugierig schaut er sich um und sieht dabei wie Tanja mit einem Typ weggeht.
„Ach, kennst du nicht und da ist eh nix!“ wiegele ich ab und bemerke das belustigte Aufblitzen in seinen Augen.
„Soso, da ist also nix. Hmm... nach nix sehen deine geröteten Wangen aber nicht aus!“ grinst er dann, umarmt mich noch einmal, bevor er in sein Auto steigt und davon fährt.
Nachdenklich gehe ich zu meinem Lieblingsplatz und strecke die Beine aus. Habe ich mich denn wirklich in Aki verliebt??
„Hier bist du also!“ höre ich Tanja kichern und drehe mich lächelnd um.
„Ja ich habe...nachgedacht.“ als mein Blick auf Aki fällt, spüre ich, wie sich mein Magen zusammen zieht. „Hei Aki.“
„Hei Sanna...können wir...reden??“
Tanja schaut gespannt zwischen uns hin und her und ich sehe ihr an, dass sie gerne wissen möchte, was Aki mir sagen will.
„Sorry Aki, aber ich bin irgendwie nicht in der Stimmung.“ entschuldigend sehe ich ihn an und er nickt.
„Kinners, jetzt redet...das kann sich doch kein Mensch mehr mit anschauen!!“ fährt jetzt Tanja dazwischen und wir zucken beide erschrocken zusammen. „Ich gehe jetzt mir schnell Zigaretten holen und wenn ich wiederkomme, habt ihr das geklärt!“ erhobenen Kopfes geht sie wieder davon und lässt mich mit Aki alleine.

„Ähm...kann ich mich...neben dich setzen??“ fragt mich Aki schüchtern und ich nicke.
„Klar doch...“ ich merke, wie sich in meinem Magen die Flugzeuge wieder in Bewegung setzen und starre auf meine Füße. Nur nicht Aki anschauen, sonst ist es vorbei.
„Weißt du, das gestern...also...das war wirklich sehr schön!“ fängt er zögernd an und ich merke, wie mir schon bei dem Gedanken die Röte ins Gesicht steigt. „Aber, wenn du einen Freund hast...also, ich wollte dich nicht...naja...also was ich sagen wollte...“
„Ich hab keinen Freund. Wie kommst du darauf??“ irritiert blicke ich auf und sehe direkt in seine strahlend blauen Augen.
„Na wegen dem Typ vorhin...der, mit dem du da die Treppen runterkamst.“ jetzt schlägt er beschämt die Augen nieder, während ich überlege, wen er meint.
„Das...das ist mein Bruder!! Oh mein Gott, du hast doch nicht etwa gedacht...?“ erschrocken schlage ich mir die Hand vor den Mund um nicht laut loszulachen.
„Dein Bruder??“ ungläubig schaut mich Aki an und muss sich selber ein Grinsen verkneifen.
„Ja, das is Mikko. Der studiert in Tampere und bringt mir immer dann, wenn er mal bei Oma war, irgendwelche Kleinigkeiten mit. Aber der war doch schon oft hier, hast du ihn da nie gesehen??“
„Naja, ich hab mich oft zurückgezogen, weil...“ er bricht ab und beobachtet einen Schmetterling.
„Weil??“
„Hast du es denn noch nicht gemerkt??“
„Was bemerkt??“
„Sanna...du bist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben und ich mag jede Minute, die wir zusammen sind, doch gestern hat mir gezeigt, dass mir das einfache Freundsein nicht mehr reicht.“ verwundert sehe ich ihn an und versuche das zu verstehen, was er mir gerade erzählt hat.
„Aber gestern war doch alles wie immer...“
„Ach, wirklich?? Haben wir etwa schon immer das...“ ungestüm zieht er mich an sich heran und presst mir seine Lippen auf. Nach einer kurzen Zeit des Abwehrens lasse ich mich in den Kuss fallen und spüre eine Leere, als er von mir ablässt.
„Und, haben wir das schon immer gemacht??“ ich merke den leichten Unterton in seiner Stimme und schaue ihn durcheinander an.
„Nein...“ gebe ich ehrlich zu und fahre mir durch die Haare. Wenn ich nicht schon vorher völlig durch den Wind gewesen wäre, würde ich es jetzt sein.
„Sanna, kapierst du es nicht??“ aufgeregt springt Aki auf und hockt sich vor mich hin. „Ich habe mir einst geschworen, dies nie wieder zu machen, aber ich weiß, wenn ich es nicht tue, verliere ich dich!“ seufzt er und ich schaue ihn mit großen Augen an.
„Ich liebe dich, schon seit du mir damals so nett zugelächelt hast. Jeden Tag, den ich mit dir zusammen bin, ist der Schönste. Jedes Mal habe ich mich auf den nächsten Morgen gefreut und wenn es geregnet hat, war ich wütend. Jeder Typ, der dir auch nur zu nahe kam, hätte ich am Liebsten was angetan!“ tief holt er Luft und in mir hat sich mit jedem Wort eine Ruhe eingeschlichen und als er mich so anschaut, umfasse ich sein Gesicht mit meinen Händen und beuge mich sanft vor. Sanft berühren meine Lippen jetzt seine und ich spüre, wie sie leicht beben. Kurz verharre ich dort und dann bitte ich mit meiner Zunge um Einlass. Wer jetzt darüber mehr erschrocken ist, weiß ich nicht, doch Aki gewährt ihn mir und unsere Lippen finden sich zu einem kleinen, neugierigen Spiel zusammen.
Mit der ersten Berührung seiner Zunge hat sich in meinem Körper ein wahres Inferno ausgebreitet, als würde selbst er mehr wissen, als ich.

27. Kapitel

Als sich einige Strähnen meines Haares lösen und über unsere Gesichter fallen, streift sie Aki mit seinen Händen nach hinten und hält nun seinerseits meinen Kopf. Langsam rutsche ich von der Bank zu ihm hinunter, da es unbequem wird und ich den Kuss diesesmal nicht lösen will, vielleicht auch aus Angst, dass es ein Traum sei.
Sanft lege ich meine Arme in seinen Nacken und ziehe ihn so näher an mich heran, was zur Folge hat, dass er vornüberkippt. Ich hatte ganz vergessen, dass er sich hingehockt hatte. Kichernd krabbele ich unter ihm hervor und blicke dann auf Tanja, die breit grinsend auf uns zukommt.
„Na endlich, ich dachte ja schon, ich muss euch in einem Zimmer einsperren, damit ihr das mal merkt!!“ glücklich umarmt sie uns beide und murmelt dann noch was, von wegen Zeitlassen und Tante.
Zu dritt setzen wir uns dann auf die Bank und erzählen, während ich mehr auf Aki sitze und verträumt mit seinen Rastas spiele.

Abends, nachdem ich mich nur sehr schwerfällig von Aki getrennt habe, liege ich mit einem seligen Lächeln auf dem Bett und beobachte Tanja, wie sie ihre Sachen vom Konzert auspackt. Dabei erzählt sie mir, wie toll es war und dass sie richtig gut gestanden hat um Ville genau sehen zu können.
„Das war so ein geiles Konzert...alle haben mitgemacht und man hat gemerkt, dass auch ihnen richtigen Spaß gemacht hat.“ als sie ihre Cam gefunden hat, kommt sie zu mir und zeigt die Bilder und Videos.
„Steht der echt nur die ganze Zeit da und raucht ab und an eine??“ frage ich sie verwirrt.
„Ja, aber wäre ja doof, wenn er über die Bühne hüpfen würde, dafür sind die Lieder einfach zu...naja einfach nicht gemacht!!“
Nachdem wir alle ihre Bilder, auch die, wo sie zusammen mit der Band drauf is, angeschaut haben, packt sie ihre Cam weg und strahlt mich auf dem Bett sitzend an.
„Und wie fühlst du dich jetzt??“
„Wie soll ich mich fühlen??“
„Na, glücklich, über den Wolken schwebend…was weiß ich...“ lacht sie und ich muss mitlachen.
„Na weißt doch, es ist so ein herrliches Gefühl. Als wenn der ganze Körper unter Strom steht und auf irgendwas wartet.“ verträumt blicke ich aus dem Fenster und denke an Aki.
„Ach ihr seid beide so ein schönes Paar und wehe...“
„...ich tue deinem Bruder weh! Ich weiß, würde mir auch nie im Traum einfallen!“ kichernd begebe ich mich ins Bad und dusche schnell.
In den Bademantel gehüllt komme ich wieder aus dem Bad und sehe Aki grinsend auf meinem Bett sitzen.
„Hei!“ schnell küsse ich ihn und setze mich dann neben ihn.
„Ich konnte nicht alleine sein, so bin ich noch mal hochgekommen.“ schelmisch zwinkert er mir zu und ich ziehe ihn an mich ran.
„Ok, ich geh dann auch mal ins Bad, aber seid bitte fertig, wenn ich wieder da bin!“ meint Tanja und verzieht sich aus dem Zimmer.
„Du bist lustig.“ murmele ich leise, als ich auch schon Akis Lippen auf meinen spüre. Schnell verlieren wir uns in ein wildes Zungenspiel und weder Zeit noch Raum spielen eine Rolle. Sanft fahren seine Finger durch meine Haare und auch meine gehen auf Wanderschaft. Als der Bademantel leicht von meiner Schuler rutscht, stockt Aki kurz und fährt dann langsam mit seinem Zeigefinger die Konturen meines Schlüsselbeins ab. Kleine Feuer brennen an den Stellen und ich seufze leise auf, als seine Zunge seinen Finger ablöst.

28. Kapitel

Als es an der Türe klopft, fahren wir beide erschrocken auseinander und ich versuche, irgendwie wieder alles zu richten, bevor ich „herein“ sage. Schuldbewusst schauen wir beide auf, als Majia das Zimmer betritt. Diese bleibt erstaunt stehen und scheint erstmal einen Moment zu brauchen um das zu realisieren.
„Hei...“ bringe ich gerade noch so raus.
„Hei...stör ich??“ mit leicht rotem Kopf schaut sie fragend zwischen uns hin und her.
„Nein...nein, du störst nicht.“ lächele ich sie an.
Und ob du störst geht es mir aber durch den Kopf und Aki scheint das Selbe zu denken. Zumindest schickt er frech seine Finger auf Wanderschaft unter meinen Bademantel und ich ziehe scharf dir Luft ein.
„Ja...ähm...also, ich wollte fragen, ob du in den Ferien auch da bist und ob du da mit mir bisschen Schwedisch und so lernen kannst, weil doch nächstes Jahr dann die Prüfungen anstehen und so. Und ob wir zusammen trainieren könnten.“ verlegen tritt sie von einem Fuß auf den anderen und versucht uns nicht anzuschauen.
„Mensch Aki...“ grummele ich leise und er schaut grinsend hoch. „Also...klar, kein Problem. Ich bin zwar in den letzten beiden Wochen nicht da, aber bis dahin können wir das machen.“
„Puh...danke, ich geh dann mal wieder...bye.“ und sich auf dem Absatz umdrehen verlässt sie das Zimmer.
„Du...bist...unmöglich!“ bringe ich zwischen den Küssen hervor, die Aki mir aufdrückt.
„Ich weiß...aber ich kann es einfach noch immer nicht glauben und deswegen muss ich immer wieder schauen, ob ich nicht nur einen schönen Traum habe.“
Tief schaue ich ihm in die Augen und ziehe ihn dann sanft zu mir hoch.
„Aki Markus Hakala, dass ist ganz bestimmt kein Traum!“ raune ich leise, bevor ich sanft seine Lippen liebkose. Mit einem undefinierbaren Laut der einem „Hmm“ ähnlich kommt, drückt er mich leicht in die Kissen und nestelt nebenbei an dem Band des Bademantels.
Frech schiebt sich seine Hand dann unter diesen und ich zucke erschrocken zusammen. Doch schnell weckt er ein Feuer in mir, welches seine Küsse fast nicht mehr unterdrücken können.

„Ok Mädels, jetzt ist aber Schluss, ich wohne auch noch hier!!“ höre ich dann Tanja vom Band aus kichern und wie schon einige Minuten vorher, bedecke ich mich schnell und schaue Tanja schuldbewusst an.
„Man, das nächste Mal gehen wir zu mir!“ murmelt Aki, küsst mich noch einmal stürmisch und verlässt dann selig grinsend und leicht hopsend den Raum.
„Sag nix!!“ bitte ich Tanja, während ich mir mein Schlafanzug anziehe.
„Ich?? Ich wollte überhaupt nix sagen.“ den ironischen Ton kann sogar ich raushören.
„Also gut, du platzt doch eh gleich.“ kichernd setze ich mich auf mein Bett und umschlinge mich mit meiner Decke, die noch nach Aki riecht.
„Weißt du, dass ihr supersüß ausseht?? Und ich kann es noch immer nicht fassen: mein Bruder mit meiner besten Freundin!!“ seufzend legt auch sie sich hin.
„Ja, ich glaub es ja auch kaum.“

Noch lange, nachdem wir uns eine gute Nacht gewünscht haben, liege ich wach und denke an die letzten 48 Stunden und das Grinsen auf meinem Gesicht will nicht verschwinden.

29. Kapitel

Leise klingelt der Wecker und das erste was ich fühle ist dieses Kribbeln im Bauch. Selbst Petrus scheint es gut mit uns zu meinen, denn es scheint die Sonne. Schnell springe ich aus meinem Bett und gehe ins Bad. Nachdem ich mich erfrischt und die Zähne geputzt habe, schlüpfe ich in meine Sportsachen und ziehe mir beim Rausgehen noch die Sneakers an, als ich von einem Paar kräftiger Arme umschlungen werde.
„Ich dachte schon, du kommst heute gar nicht!“ murmelt mir Aki zur Begrüßung ins Ohr, bevor er mich sanft küsst.
„Guten Morgen…hab ich schon jemals blau gemacht, wenn die Sonne geschienen hat??“ lächele ich danach und Hand in Hand gehen wir die Treppen hinunter.
„Nein, aber ich war mir nicht sicher…“ gesteht Aki mit einem süßen Grinsen.
„Wer als erstes am See ist, hat gewonnen!!“ rufe ich schon im Laufen zu ihm und sprinte dann los. Nach nur kurzer Zeit hat er mich natürlich längst eingeholt und passt sich meinem Lauftempo an.
„Was bekommt denn dann der Sieger??“
„Der darf es dann aussuchen…“ meine ich und ziehe das Tempo an.
„Ok, dann bis gleich Süße!“ lacht er und rennt an mir vorbei.
Als ich einige Zeit nach ihm am See ankomme, liegt er grinsend im Gras und schaut auf seine imaginäre Uhr.
„Hätte ich das gewusst, wäre ich noch mal ins Bett gegangen!!“ kommt es von ihm, als ich mich kurz neben ihm niederlass.
„Haha, du hast halt einfach längere Beine und kommst deswegen schneller vorwärts!“ meine ich leicht gekränkt, doch das vergesse ich schnell, als er mich zu sich zieht.
„Also, da ich ja gewonnen habe, darf ich mir ja jetzt aussuchen, was du machst, richtig??“
„Richtig!“ fasziniert von dem Strahlen seiner Augen schaue ich ihn an.
„Ok…dann will ich einen Kuss, so für den Anfang!“ lacht er leise und hält mich fest umschlungen. Langsam senke ich meinen Kopf und meine Lippen berühren seine fast, als wir Stimmen hören. Kurz hebe ich meinen Kopf, sehe Pekka mit seinen Freunden den Weg entlang gerannt kommen und halte gespannt die Luft an. Doch diesesmal würdigen sie uns keines Blickes und laufen weiter.
„Ok, wo waren wir stehen geblieben?“ fragend schaue ich auf Aki, der mit leicht geöffneten Lippen da liegt und mich mustert.
„Du wolltest mich küssen!“
„Ach ja…hab ich doch glatt vergessen.“ kichere ich, was seine Augen zum Aufblitzen bringt.
„Du…“ bringt er noch hervor, bevor ich seinen Mund mit meinem verschließe und sanft an seiner Unterlippe knabbere, bevor meine Zunge um Einlass bittet.

Nach einiger Zeit erheben wir uns beide, ordnen unsere Sachen und rennen dann zum Sportplatz, um unsere eigentliche Aufgabe zu bewältigen. Auf dem Sportplatz sehen wir, dass Pekka und Co. ebenfalls dort sind und ein Training absolvieren. Ungerührt dessen, laufen wir unsere Runden und es hat den Anschein, als würde Pekka langsam verstanden haben, was zwischen uns los ist.
Mehr als einmal frage ich mich, wie ich mich hab von seiner Fassade blenden lassen, doch als Akis Hand sich mit meiner verschlingt, werfe ich diese Gedanken schnell beiseite.
Gemütlich laufen wir dann den letzten Kilometer zum Internat zurück, wobei wir immer wieder stehen bleiben und uns küssen.
Im Internat verabschiede ich mich von Aki kurz, um ins Zimmer zu rennen, Tanja zu wecken, die wie ein Murmeltier schläft und die Dusche in Beschlag zu nehmen. Als ich aus dem Bad kommt, steht Tanja schon mit ihren Sachen vor mir und schaut mich grinsend an.
„Also, ich glaub ich weiß, was ihr heute früh gemacht habt.“ kichert sie und geht nun ihrerseits ins Bad, während ich mich anziehe. Heute wähle ich eine Karohose in rot-schwarz, ein schwarzes Top und schwarze Stulpen. Meine Haare lass ich offen über den Rücken fallen und als Schuhwerk entscheide ich mich für meine Docks.
Schnell noch etwas Wimperntusche und Lidschatten aufgetragen und ich will aus dem Zimmer rennen.
„Halt!“ ruft auf einmal Tanja hinter mir und ich fahre erschrocken herum. „Ohne ein Bussi gehst du mir hier nicht davon. Kann ja nicht sein, dass das jetzt alles nur noch mein Bruder abbekommt!!“ meint sie lächelnd und ich drücke sie ganz fest.
„Keine Angst, du bist immer im meinem Herzen!!“ murmele ich in ihr Haar und gehe dann aus dem Zimmer, weil ich das Frühstück vorbereiten wollte.

30. Kapitel

Im Speisesaal sehe ich, dass die meisten Plätze schon belegt sind, so dass ich erstmal ein Tablett hole und alles Nötige draufstelle. Mit viel Geschick balanciere ich dieses an einen Tisch, wo noch für 3 Leute Platz ist, nicke den anderen zu und setze mich hin. Während ich so auf Aki und Tanja warte, höre ich es hinter mir tuscheln. Als ich mich umdrehe, sehe ich 3 Mädchen aus der Unterstufe, die sich über mich unterhalten, denn drei Augenpaare starren mich gebannt an.
„Ist was??“ frage ich höflich und alle drei drehen sich weg.
Kopfschüttelnd nehme ich mir ein Brötchen, schneide es auf und belege es mit etwas Käse, als ich Tanja und Aki zum Saal reinkommen sehe. Hinter mir vernehme ich leises aufseufzen und drehe mich nun verwirrt um.
„Er ist so süß!“ meint eines der Mädels und ich schaue über meine Schulter.
„Meint ihr Aki??“ frage ich dann perplex, denn das ist mir noch nie aufgefallen.
„Ja, er hat so einen tollen Körper…wir haben ihn mal ne zeitlang beim Training beobachtet.“ gesteht das eine Mädel und wird knallrot, als sie bemerkt, wie sich Aki neben mich setzt.
„Moi!“ meint dieser fröhlich und das Mädchen verliert vollends die Kontrolle und klirrend fällt ihre Tasse auf den Tisch.
Mitfühlend schaue ich sie an, reiche ihr eine Serviette und flüstere ihr leise zu, dass Aki leider schon vergeben ist. Mit Tränen in den Augen schaut sie mich an und mit einem Seitenblick auf Aki, der mir gerade Kaffee einschenkt, ist ihr alles klar.
„Das wusste ich schon lange, dass er auf dich steht. Hab ihn immer beobachtet….naja, besser als einer der Oberzicken!!“ meint sie tapfer und steht dann auf.
„Was war denn mit der los??“ fragt Tanja, als ich wieder normal am Tischsitze und mein Brötchen weiter esse.
„Ach naja, sie ist in Aki verknallt und naja…egal!“ murmele ich und blicke auf meinen Teller. Mir tut das Mädel voll Leid und doch kann ich ihr nicht helfen.
„He, bist du eifersüchtig??“ raunt mir Aki ins Ohr und ich blicke verdutzt auf.
„Eifersüchtig??“
„Ich glaube, ihr tut das Mädchen jetzt Leid Bruder. So wie ich Sanna kenne, macht sie sich jetzt nen Kopf darüber.“
„Öh…du machst dir doch jetzt nicht echt nen Kopf oder?? C´ est la vie!!“ meint dann Aki und trinkt seine Kaffee aus.
„Naja…ach egal. Was haben wir heute eigentlich alles?? Man, die letzte Woche und ich fühl mich noch nicht mal wie Ferien!!“
„Also ich freue mich aufs Ausschlafen und Nixtun!“ meint Tanja lachend und ich falle ein.
„Das glaube ich dir!!“

Später sitzen wir im Englischunterricht und schauen uns einen Film an, weil keiner mehr Lust zu irgendwas hatte. Während Tanja gemütlich vor sich herdöst, schreiben Aki und ich uns Zettelchen, weil wir ja nicht reden dürfen. Dies bemerkt auch Eero, der daraufhin Pauli anstupst, der wiederum tippt Lauri auf die Schulter, der ebenfalls schläft.
Mit halbgeöffneten Augen blickt er zu uns herüber, verzieht leicht sein Gesicht und legt sich wieder schlafen.
„Sind die jetzt zusammen??“ fragt Eero daher Pauli leise und nachdem er uns einige Zeit beobachtet hat, nickt er.
„Ich denke schon, sieht sehr danach aus. Aber kann uns ja auch egal sein.“
„Stimmt…man, noch bis zwei Unterricht, ich hab keine Lust mehr, ehrlich!!“ mault Lauri leise und dreht seinen Kopf so, dass er seine Kumpels anschauen und nebenbei Aki und Sanna beobachten kann.
„Also komm, du hast dich das ganze Schuljahr nicht wirklich angestrengt!“ meint Eero leicht vorwurfsvoll, wofür er von Lauri ein verächtliches Schnauben erhält.
„Wenn es den Herren zu langweilig is, kann ich den Fernseher auch ausschalten und wir können im Stoff weitermachen!“ ertönt auf einmal Miss Smith stimme und alle sehen betreten nach unten.
Für den Rest der Stunde war es ruhig und als es endlich klingelt, erheben sich alle schwerfällig von ihren Stühlen. Der Tag verlief ereignislos und so fühlen sich die Jungs etwas unausgelastet und überlegen sich, was sie machen können.
„Lasst uns in die Stadt fahren, da kann Lauri sich seine Farbe kaufen und wir kommen mal raus aus diesen alten Mauern.“ schlägt Pauli vor und alle sind einverstanden.

31. Kapitel

Gemeinsam schwingen sich die drei Jungs auf ihre Bikes und fahren in die Stadt.
„Ich kann noch immer nicht glauben, dass ich mich habe dazu überreden lassen!“ schnauft Pauli, als sie an einem Baumarkt ankommen.
„Ach komm schon, dir tut das auch mal ganz gut!“ zieht ihn Lauri auf, kettet sein BMX fest und geht zum Eingang. Unschlüssig stehen die zwei Anderen da und schauen sich an.
„Jetzt sagt nicht, ihr habt eure Fahrradschlösser im Internat gelassen??“ fragt Lauri mit einer hochgezogenen Augenbraue, doch das betretene Schweigen ist ihm Antwort genug. „Ok, ich bin gleich wieder da.“
Während Lauri sich in der Farbabteilung austobt, stehen Pauli und Eero vor dem Baumarkt und müssen anfangen mit Lachen, weil sie so dämlich waren.
„Echt, an jeden anderen Mist denken wir, aber ned daran, dass wir Schlösser brauchen!!“ schüttelt Eero den Kopf und auch Pauli tippt sich verstohlen an die Stirn.
„Was machen wir dann eigentlich noch?? Aber nicht, das wir wieder irgendwelche leerstehenden Lagerhallen ansprayen!!“ murmelt Eero, der noch den Schrecken vom letzten Mal in den Knochen stecken hat.
„Nein, er will seine Wand im Zimmer besprühen, frag mich mal, was in seinem Kopf vorgeht. Und ich fahr nicht wieder zu den Lagerhallen, das kannste vergessen, da kann der Herr alleine hinfahren, ich hab keine Lust, wieder ein paar aufs Maul zu bekommen, nur weil der Gnom noch sein Signum drunter setzen musste!!“ regt sich Pauli auf und Eero kann nur nicken.
„Stimmt, mir tut jetzt noch der Arm weh…“ theatralisch tastet Eero danach und verzieht sein Gesicht.
„So Mädels, ich hab meine Sachen, was machen wir jetzt??“ frag Lauri, der aus dem Baumarkt geschlendert kommt.
„Viel können wir ja nicht machen, weil immer wer bei den Bikes bleiben muss!“ meint Eero und daraufhin schmeißt ihm Lauri eine Kette zu.
„Hier, ich hab nämlich noch keine Lust zurückzufahren. Wir können ja ein Eis essen oder so??“
Behände fängt Eero die Tüte auf und sieht, dass darin zwei Fahrradschlösser sind. Eines reicht er an Pauli weiter und das andere stopft er in seinen Rucksack.
„Naja, dann lasst uns doch zum Café am Brunnen fahren!“ meint Pauli und setzt sich auf sein BMX.
„Ok, dann mal los…“ zusammen fahren sie durch die Innenstadt und als sie am Brunnen ankommen, sehen sie, das viele hübsche Mädels unterwegs sind.

Gemütlich setzen sie sich an einen der Tische, die auf dem Gehweg stehen und schauen sich die Karte an.
„Also ich nehm nen Kaffe und….einen After Eight-Eisbecher. Und ihr?“ fragt Lauri und zündet sich eine Zigarette an.
„Ich werd ne Cola nehmen und nen Schokoeisbecher.“ Meint Eero und schaut seinen Kumpel missbilligend an. „Wie lange rauchst du jetzt eigentlich schon?? Brauchst dich nicht wundern, wenn du so klein bist!“ zieht er ihn dann auf, woraufhin Lauri einen Schmollmund zieht.
“Hahaha, der war gut.“ Lacht Pauli und klopft Eero auf die Schulter.
„Au, man, das tut weh!“
„Schön, das ihr lachen könnt, außerdem is Pauli auch nur einen Zentimeter größer!“ brummelt Lauri und Pauli vergeht das Lachen.
„Spielverderber!“ murmelt er und schaut in die Karte.
„Hei, die Kleine da sieht mal gar nich so schlecht aus!!“ weist Lauri seine beiden Kumpels auf ein Mädchen hin, welches gerade über die Straße geht.
„Joar, sieht echt lecker aus…aber ich glaub, die ist aus unserer Schule.“ Pauli, der gleich geschaut hatte als Lauri auf das Mädchen aufmerksam machte, widmet sich wieder seiner Karte und überlegt, was er denn essen könnte.
„Was darf es denn bei euch sein??“ erschrocken drehen sich die Jungs zu der Bedienung um, die sie freundlich anlächelt und ihren Notizblock bereithält.
„Also, ich hätte gern…eine Cola und einen Schokoeisbecher.“ Eero, der sich als Erster gefangen hatte, lacht sich insgeheim über die puterroten Gesichter der anderen Beiden schlapp.
„Ja, ich….ähm…ich nehm einen Kaffee und…und einen After Eight-Eisbecher.“ Lauri kann seine Blick von dem Ausschnitt der Bedienung nicht abwenden und bemerk, wie Eero in sich hineinkichert. Knallrot wendet er sich seinem Kumpel zu und schickt ihm böse Blicke über den Tisch.
„Und was hättest du gerne??“ als sich die Bedienung an Pauli wendet, lässt dieser erstmal die Karte fallen und stammelt etwas von Bananensplit und Bananenmilchshake.
„Ok, kommt sofort Jungs!“ damit rauscht die Bedienung auch schon zum nächsten Tisch und lässt zwei verstörte Jungs sitzen.


32. Kapitel

„Was machen wir beiden Hübschen heute??“ fragt Aki mich, während ich meine Schulsachen in meinen Schreibtisch räume.
„Keine Ahnung. Eigentlich wollte ich ja mit Tanja in die Stadt neue Klamotten kaufen. Kannst ja mitkommen!“ meine ich lächelnd zu ihm.
„Klamotten…hmm…ist eine gute Idee, ich brauche neue Schuhe und nen paar neue Shirts.“
„Und ich brauch nen neues Handy!!“ meint Tanja wütend und pfeffert ihres in die Ecke.
„Warum denn das??“
„Na ich habs aus versehen geduscht und nun is das Display kaputt.“ Grummelt sie und setzt sich erstmal auf ihr Bett. „Du fühlst dich auch ganz schön wohl hier oder??“ fragt sie Aki, der sich’s auf meinem Bett bequem gemacht hat.
„Joar, ist doch scheen bequem!“ grinst dieser und stopft sich das Kissen unter den Kopf.
„Willst gleich mit einziehen??“ fuhr Tanja ihren Bruder wütend an.
„Nee, da lobe ich mir mein Reich!! Aber komm mal wieder runter, hab dir schließlich nix getan!!“
„Sorry, ich bin nur so frustriert. Irgendwie geht alles schief, was schief gehen kann. Mit unserem Urlaub zuhause wird das auch nix werden, unsere Eltern sind irgendwo in einem Studio und haben deswegen keine Zeit für uns.“
„Naja, das war ja klar oder?? Ich wollte eh nur zu Omi.“
„Hmm…ich werde schon mal ne Ferienplanung aufstellen. 2 Monate frei müssen schon mal geplant werden. Was machst du eigentlich Sanna??“
„Ich werde hier sein und mich auf die Meisterschaften vorbereiten. Nur die letzten beiden Wochen bin ich nicht da.“
„Wo bistn da??“ fragt mich Aki.
„Ich arbeite da in einem Feriencamp für Kinder. Ich weiß noch nicht genau, wo ich eingesetzt bin.“ Meine ich und setze mich zu ihm.
„Du wirst schon mal zwei Wochen ohne Deine Süße auskommen!!“ kichert Tanja, während sie in ihrem Schrank wühlt.
„Naja, aber wenn ich vorher zur Omi fahr und sie dann bei den Meisterschaften ist, dann sehe ich sie nur….3 Wochen!!“ sagt Aki und stützt sein Kinn betrübt auf seinen Knien ab.
„Mein Gott, das wirst du schon überleben!! Gehen wir jetzt?? Weil sonst müssen wir nicht mehr losgehen!!“ meint Tanja dann fertig angezogen und Aki und ich schauen sie nur betröppelt an. „Na was is??“
„Ok, dann mal…hab ich alles??“ fragt Aki, der seine Hosen nach Schlüssel und Portmonee durchsucht.
„Kerl, komm jetzt…Sanna??“
„Ich bin ja schon da…warum auf einmal die Eile??“ frage ich Tanja, während wir das Treppenhaus hinunter gehen.
„Herr Hakala??“ ertönt auf einmal die Stimme von Frau Hainolen. „Würden sie bitte in mein Büro kommen??“
„Ähm…“ er schaut von uns auf Frau Hainolen und wieder zurück. „Ja, wird es lange dauern?? Weil wir...also…wir wollen gerade in die Stadt.“
„Das müssen sie verschieben, weil wir müssen mit ihnen reden, wir bekommen einen neuen Schüler und ihr Zimmer is das Einzige, welches noch frei ist für eine Person.“
„Ok, dann…bis heute Abend Süße. Ich hab dich lieb.“ Leicht küsst er meine Wange und folgt dann Frau Hainolen ins Büro.
„Jetzt noch?? Eine Woche vor Ferienbeginn kommt ein neuer Schüler?? Is ja auch komisch oder nicht??“ frage ich Tanja, die zustimmend nickt.
„Naja, werden wir heute Abend schon von Aki erfahren!! Lass uns jetzt losfahren.“ Meint sie und schließt das Auto auf. Als ich auch Platz genommen habe, fährt sie los und ich überlege, was ich mir kaufen werde.

33.Kapitel

„Also Herr Hakala. Es tut mir ja leid, dass ich sie von ihrer Freundin getrennt habe, aber es geht um Folgendes.“ Frau Hainolen macht eine kurze Atempause und schaut Aki über den Rand ihrer Brille hinweg an. „Wie ich ihnen schon mitteilte bekommen wir einen neuen Schüler, aber erst im neuen Jahr. Doch leider sind unsere Plätze bis auf den freien bei ihnen im Raum schon belegt, deswegen muss ich ihnen mitteilen, dass sie ab dem neuen Schuljahr nicht mehr alleine wohnen. Ihre Eltern haben wir schon verständigt, sie sind einverstanden.“
Abermals macht die Direktorin eine Pause und schaut Aki an, der wie erstarrt in dem Stuhl sitzt.
„Wir, das heißt die Lehrer, haben daher beschlossen, Herrn Ylönen zu ihnen zu stecken, damit er sich endlich auch mal anstrengt in der Schule und Herrn Rantasalmi nicht immer mit seinen Aktionen beeinflusst. Wir glauben, dass sie durch ihre ruhige Art positiv auf ihn einwirken können.“
Wenn jetzt eine Stecknadel gefallen wäre, die hätte man hören können. Aki saß völlig perplex auf seinem Stuhl und starrte Frau Hainolen an, als hätte sie ihm soeben erklärt, Finnland würde morgen nicht mehr exsistieren.
„Das ist nicht ihr Ernst??“ presst er dann leise hervor.
„Doch. Herrn Ylönen werden wir es im Laufe der Tage ebenfalls bekannt geben.“
„Aber wieso?? Ich meine, Lauri hat keinerlei Absichten sich anzustrengen, warum kann nicht der neue Schüler zu mir ins Zimmer kommen??“

„Weil wir wie schon erwähnt hoffen, dass sie einen guten Einfluss auf Herrn Ylönen haben.“ Etwas irritiert schaut Frau Hainolen über ihren Brillenrand hinweg. „Wir bitten sie, ihr Zimmer bis zum Wochenende soweit geräumt zu haben, dass Herr Ylönen zu ihnen ziehen kann.“ Mit diesen Worten ist für die Internatsleiterin alles geklärt und sie entlässt einen sichtlich wütenden Aki.
Dieser geht forschen Schrittes in sein Zimmer und wirft sich auf sein Bett. Wütend starrt er seine Poster an der Wand an und ein knurrender Ton entlässt seinen Mund, als es an seiner Tür klopft.
„Hei Schatz wir sind wie….“ kommt Sanna in sein Zimmer gestürmt, doch angesichts seines Gesichtsausdruckes bricht sie ab. „Was ist los??“
„Ylönen kommt in mein Zimmer!!“
„Nein?? Aber warum??“ sie setzt sich neben ihn und schaut ihn mit fragenden Augen an.
„Weil doch der neue Schüler kommt und da haben sie beschlossen, Lauri zu mir zu stecken, damit er sich vielleicht ein bisschen an mir orientiert. Der Idiot wird’s doch eh nie packen, der hat einfach keine Lust!“ regt sich Aki auf, doch schon im nächsten Moment tat es ihm leid, Sanna erschreckt zu haben.
„Komm, lass uns von was anderem reden. Wie war es in der Stadt??“

34. Kapitel

„Die haben doch einen an der Birne!! Ich soll zum Jesus ziehen!! Das können die knicken!!“
Einige Türen weiter ist gerade Lauri dabei, sein Kissen zu malträtieren, nachdem er von Frau Hainolen dieselbe Nachricht wie Aki erhalten hatte.
„Naja, sieh es mal von der positiven Seite. Du hast jetzt deine Ruhe und kannst dementsprechend lernen. Kann dir ja nicht schaden.“ meint Eero beschwichtigend.
„Man, warum haben sie nicht den neuen zu ihm ins Zimmer gesteckt?? Kann ja wohl nicht angehen!! Vor allem, der Umzug soll noch diese Woche geschehen. Und, ich muss meine Wand weisstreichen!!“ ärgerlich betrachtet er sein Kunstwerk und verflucht den neuen Schüler insgeheim.
„Aber wieso kommt jetzt eigentlich noch ein Neuer?? Ich dachte die Anmeldung für einen Internatsplatz läuft im März aus?? Wir haben Juni!!“ mischt sich nun auch Pauli ein und für einen Moment ruhen alle Augen auf ihm.
„Tja, wird wohl jemand mit viel Einfluss sein, also seine Eltern!“ schnauft Lauri und beginnt langsam seine Sachen zusammenzuräumen.
„Was machst du??“
„Ich packe, siehst du doch, aber wenn ich die Wand wieder weißmachen muss, sollte ich schon jetzt anfangen, schließlich dauert das mehrere Tage.“ Lustlos fliegen Shirts, Hosen, Socken und ähnliches in die offene Tasche.
„Aber, du willst doch nicht etwa gleich zu ihm ziehen??“ erschrocken schaut Pauli seinen Kumpel an.
„Nee, aber bis Mittwoch will ich das Zeugs bei ihm haben…es kotzt mich so an.“ Frustriert tritt er gegen seine Tasche, wobei einige Paare an Socken wieder rausfallen.
„Wie mag sich Aki wohl fühlen??“ fragt Eero und Lauri zuckt mit den Schultern.
„Ich glaube nicht viel anders als ich!! Ich meine, er hat seit er hier ist ein Einzelzimmer, was schon verwunderlich ist und nun muss er für die letzten zwei Jahre das Zimmer teilen.“
„Ich glaube seine Eltern haben das so eingerichtet. Aber komisch ist es schon, seine Schwester ist ja auch mit Sanna zusammen.“ Murmelt Pauli und ein kleiner Hauch Röte überzieht sein Gesicht.
„Ehm, müssten wir da wissen Tonni??“ kichert Lauri leise und erntet einen bösen Blick.
„Muhahahaha, du hast dich in Sanna verguggt?? Oje, das kann was werden!!“
„Lauri, jetzt is aber mal gut!! Er kann ja nichts dafür!“ sagt Eero in einem ruhigen Ton und Pauli grinst leicht.
„Es ist nicht Sanna!“ kommt es dann leise von ihm.
„Nicht Sanna?? Aber wer….Nein?? Du hast dich in Tanja verschossen??“
„Noch lauter, die Leute am Nordpol haben es noch nicht gehört!“ grummelt Pauli und widmet sich wieder seinen Hausaufgaben, die er begonnen hatte, als Lauri noch bei Frau Hainolen war.
„Du machst nicht wirklich Hausaufgaben oder??“ eine Augenbraue hochziehend kam Lauri zu Pauli und schaute ihm über die Schulter.
„Doch, damit ich sie ned erst morgen früh machen muss!“
„Wir machen doch eh nix mehr, also, was soll der ganze Stress dann?? Hilf mir lieber beim Packen!!“ mault Lauri und zerrt am nächsten Koffer.
„Komm her, kann ja keiner mit ansehen!“ lacht Eero und holt den Koffer vom Schrank.
„Hahaha, sehr witzig!!“
„Ooch Zwerg Nase, über andere kannste Witze reißen, aber sobald es um dich selber geht, spielst beleidigte Leberwurst!!“ zieht Eero ihn auf und Pauli verkneift sich krampfhaft das Lachen.

35. Kapitel

„Ist nicht euer Ernst?“ kommt es auch erstaunt von Tanja, als sie von Aki und mir über die Neuigkeit informiert wird.
„Doch, vor allem stört es mich jetzt, dass es Lauri ist. Ich meine, da kann man ja gar nicht mehr zu zweit sein.“ murmele ich leise und Tanja muss leicht grinsen.
„Ich denke doch, das Lauri so wenig wie möglich im Zimmer sein wird, also werdet ihr schon genügend Zeit füreinander haben.“
„Trotzdem, ich meine, für den Neuen muss doch noch ein Bett in einem der Zimmer sein, die jetzt frei werden!“ regt sich Aki auf und dabei verrutscht seine Brille, die er mit einem energischen Schubs wieder auf ihren richtigen Platz befördert. Das sieht so lustig aus, das ich Widerwillen anfange mit lachen.
„Ich finds nicht lustig!“ mit einem bösen Blick bedenkt er mich und ich äffe ihn nach, damit er versteht, worum es geht. Erst irritiert dann beleidigt schaut er weg und ich muss umso mehr lachen.
„Mensch Sanna, ich kann nichts lustiges daran finden!“ herrscht mich Aki an und ich verstumme abrupt.
„Ok, bevor ihr euch auch noch streitet, schlage ich vor, erstmal Essen zu gehen!“ meint Tanja und ich springe von meinem Bett auf.
„Stimmt, ich bin auch hungrig. Tut mir leid Schatz, ich wollte meine schlechte Laune nicht an dir auslassen.“ Reumütig zieht mich Aki wieder zu sich hinab und streicht mir sachte über die Lippen, bevor er mich leicht küsst.
Gemeinsam gehen wir runter zum Speisesaal und stellen uns in der Reihe an, als Lauri zu uns kommt. Verwundert schauen Aki und ich ihn an.
„Ich weiß, dass das nicht deine Idee war, aber warum konntest du nix machen?“ fragt er leise und ich muss leicht grinsen, denn er schaut jetzt aus wie ein Giftzwerg. Ich kann bei ihm beobachten, wie die beiden Halsschlagadern heraustreten und sich seine Gesichtsfarbe leicht rötet.
„Glaub mir, ich bin genauso begeistert wie du, doch sie haben meine Einwände damit abgetan, dass du dann vielleicht endlich was für die Schule tust.“
Nach diesem Argument schweigen beide erstmal und ich kann es in Lauris Kopf rattern sehen.
„He, wir sind dran!“ unterbricht uns Tanja und wir beladen unsere Tabletts und gehen zu einem der freien Tische.
„Also werde ich wohl dann diese Woche bei dir einziehen.“ meint Lauri mehr zu sich als zu Aki und beißt in sein Brötchen.
„Dann mal auf die nächsten zwei Jahre!“ schiefgrinsend hält Aki seinen Becher zu Lauri, der erst verwundert, doch sich dann seinem Schicksal ergebend mit anstößt. Ich kann sehen, wie Tanja mit den Augen rollt und muss anfangen mit lachen.